Online: 08.12.2017 - ePaper: 09.12.2017

Blinder Fleck

Betrifft: "Webstuhl der Zeit" (EJZ vom 18. November)

"Wer zählt die Toten, nennt ihre Namen?", Hermann Schulz -..." und "Stationen einer Recherche". Beide Artikel finde ich hochspannend und berührend. Die Gruppe um Rolf Meyer hat große Mühe und viel Puzzlearbeit auf sich genommen mit ihrer Forschung nach Namen und Schicksalen. Alle Achtung.

Es gibt jedoch einen eklatanten und schmerzhaften blinden Fleck in dieser Arbeit, der nicht entschuldbar ist: Es werden - wieder einmal - Opfer des Nationalsozialismus und Täter des Nationalsozialismus auf eine Ebene gestellt. Hermann Schulz aus Wustrow ist im KZ Mauthausen ermordet worden, angeblicher Todesgrund: Myocarditis und Kreislaufschwäche. Er ist eindeutig Opfer des Regimes, dem der zweite Hermann Schulz als Soldat gedient hat, als Deutschland einen Angriffs- und Vernichtungskrieg in der Welt durchführte. Nochmals: Es gibt nicht zwei Opfer, sondern es gibt ein Opfer, einen Täter.

Jedes Denkmal, das an die "Gefallenen" und Vermissten erinnert, sollte deutlich darauf hinweisen, dass die Soldaten für einen unbeschreiblich brutalen Aggressor einen völlig unsinnigen Tod gestorben sind. So weit sollte unser Bewusstsein inzwischen doch sein, dass diese Wahrheit an Denkmälern zum Ausdruck kommt. Die Trauer könnte um so größer sein. Aber zu behaupten, Soldaten seien Opfer gewesen und ihrer zusammen mit den wirklichen Opfern zu gedenken, ist fatal und eine Zumutung.

Christa Fenge-Huber, Trebel

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