Online: 15.12.2017 - ePaper: 16.12.2017

Glyphosat und das Insektensterben

Betrifft: "Glyphosat ohne Alternative?" (EJZ vom 2. Dezember)

Es war schon sehr befremdlich zu lesen, wie oberflächlich-polemisch der agrarpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag zum Thema Glyphosat Stellung bezog, als er meinte, es sei eine "mediale Kampagne", die zur Diskreditierung geführt habe. Tut er seinen Landwirtskollegen mit solch interessengeleiteten Äußerungen wirklich einen Dienst? Und außerdem stehe Glyphosat "nur im Verdacht", Krebs zu erregen, und wenn man es deswegen verbieten wolle, müsse man auch Nikotin und Alkohol verbieten. Wie hinkend dieser Vergleich sei, stellte Miriam Staudte (Die Grünen) heraus mit dem Einwand, zu Nikotin und Alkohol könnten sich die Menschen selbst entscheiden, Glyphosat würde ihnen aufgezwungen. Auf die "lobbybezahlten Gutachten" zur Risikobewertung will ich - auch wegen zu wenig Hintergrundwissen - nicht weiter eingehen, seltsam nur, dass Frankreich, welches über keine so mächtigen Chemiekonzerne verfügt wie wir, aber ein großes Agrarland ist, mit dem Glyphosatverbot keine Probleme zu haben scheint. Was mir aber in der gesamten Glyphosatdiskussion vor allem auffällt, ist - nicht nur bei der oben zitierten Veranstaltung -, dass neben dem Argument des Krebsrisikos, welches allein schon zum Verbot ausreichen dürfte, die Tatsache, dass die Anwendung von Glyphosat zum Tod von unzähligen Ackerwildkräutern und mit ihnen im Verbund lebenden Kleinlebewesen führt, bei der öffentlichen Diskussion so in den Hintergrund tritt. Ging nicht gerade erst ein Aufschrei des Entsetzens durch die Öffentlichkeit über das Insektensterben, welches schon lange stattfindet, jetzt erst aber so drastisch mit Zahlen belegt wurde? Ist das schon wieder eine Nachricht von gestern? Das Insektensterben hat sicherlich verschiedene Ursachen, aber sicher ist das Vergiften von Ackerwildkräutern und ihrem Lebensumfeld eine davon - und inwieweit auch die Nutzpflanze etwas vom Gift aufnimmt, ist auch nicht klar. Also auch allein diese Schädigungen von Leben und Lebensgrundlagen dürften Grund genug sein, Glyphosat umgehend zu verbieten - oder wenigstens baldmöglichst, um einen Übergang zu Alternativen zu bewerkstelligen. Der Landwirt ist in einer schwierigen Lage. Er ist mit seinem Land verbunden, schätzt es wert und lebt davon. Sicher wäre er glücklicher ohne Pflanzengifte, und sicher will er nicht das große Geld machen, aber wenigstens existieren können. Das große Geld machen wollen allerdings ganz andere, für die die Landwirtschaft ein großer Markt ist. Sie sind es, die die Kritiker lächerlich machen, die ihren Einfluss auf die Landwirte behalten wollen, aber die Bedenken sind nicht lächerlich, die Lage ist ernst, die Pflanzen und Insekten sterben leise, sie verlassen uns, mit ihrem eigenen Wert und ihren Diensten an uns. Wollen wir in nicht allzu ferner Zukunft wie in Südamerika mit Bienenstöcken von Feld zu Feld fahren, wo keine Bienen mehr wohnen oder von Hand Apfelblüte für Apfelblüte bestäuben wie in Japan? Nein, das wollen wir sicher nicht.

Jutta von dem Bussche,

Hitzacker

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