Online: 22.12.2017 - ePaper: 23.12.2017

Wertvoller Menschenmist

Betrifft: Artikel "Vom Ausstieg aus der Spültoilette" (EJZ vom 9. Dezember)

Danke, dass Sie das Thema Komposttoiletten ins öffentliche Bewusstsein gebracht haben! Zum Stichwort Toilettengang als politischer Akt hätte gerne noch mehr kommen können: Was unseren Körper verlässt, ist sehr wertvoll. Urin enthält Phosphate, die weltweit aus wenigen sich schnell erschöpfenden Lagerstätten stammen. Wenige Konzerne sind dadurch sehr mächtig. Unsere Landwirtschaft ist massiv davon abhängig. Mit der Klospülung kippen wir Tausende Tonnen Phosphat, die wir eigentlich dringend brauchen, in die Vorflut beziehungsweise ins Meer. Menschlicher Mist enthält den Stickstoff, der ebenfalls wesentlicher Bestandteil der Düngemittel ist. Anstatt zu kompostieren wird in Klärwerken viel Geld dafür verwendet, den Stickstoff aus dem Schwarzwasser rauszuholen und zu entsorgen.

10000 Jahre Landwirtschaftsgeschichte sind 9900 Jahre Kreislauf "Früchte-Menschenmist-Bodenfruchtbarkeit". Nach dem Ersten Weltkrieg gab es Munitionsfabriken, die nichts mehr zu tun hatten. Also wurde deren wichtigstes Produkt, Stickstoff, der Landwirtschaft als Ersatz für Mist verkauft. Jetzt weiß man, dass die Böden davon degradieren. Anstatt umzuschwenken verwenden wir wertvolle Ressourcen, unseren wertvollen Dünger ins Meer zu kippen und dieses damit auch noch kaputtzumachen. Können wir uns das leisten? Was ist zivilisiert daran, dass wir in unser Trinkwasser scheißen?

Und es geht noch weiter: Komposttoiletten sind hygienischer als Wasserklos. Sie produzieren kein extrem gefährliches Schwarzwasser. Grauwasser, also Abwasser ohne Fäkalien, ist praktisch ungefährlich und darf inzwischen in vielen trockenen Ländern, zum Beispiel in Kalifornien, im Garten verwendet werden. Kompostklos sind die Lösung für arme Länder, wo Menschen bis heute in die Büsche kacken müssen und kein sauberes Trinkwasser haben und so weiter.

Das Thema Kompostklo ist also nicht nur noch so ein Ökothema, und ich freute mich, läse ich in der EJZ mehr dazu.

Jan-Herbert Damm.Wahrenberg

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