Online: 22.12.2017 - ePaper: 23.12.2017

Die Trauer bleibt

Betrifft: Leserbrief "Fragwürdige Erinnerungskultur" zum Volkstrauertag (EJZ vom 16. Dezember)

Volkstrauertag am Sonntag, dem 19. November dieses Jahres. Zum Gedenken der gefallenen und vermissten Soldaten, die aus den Kriegen nicht wieder zu ihren Familien zurückgekehrt sind, und der Kinder, Frauen und aller Menschen, die durch Willkür von Gewaltherrschaft Leben und Heimat verloren haben.

Ist der Volkstrauertag inzwischen Geschichte? Oder wie begegnen wir als Bürger noch heute diesem Tag? In unserem Land, vor der eigenen Haustür sind wir seit Beendigung eines sinnlosen 2. Weltkrieges, inzwischen 73 Jahren, von Kriegen verschont geblieben. Obwohl der Frieden durch jüngste Ereignisse ins Wanken gerät. Die Angst wird unausweichlich zum steten Begleiter im täglichen Leben. Unvergessen bleiben Berlin, Paris, Brüssel, Marseille ... Schreckensnachrichten von Kriegen und Anschlägen erreichen uns aus vielen fernen Erdteilen der Welt. Bis in die heutige Zeit gibt es neue Gräber. Schmerz und Trauer werden weitergetragen.

Das Gedenken am Volkstrauertag behält weiterhin seine Bestimmung, und das geschehene Unrecht wird durch die Generationen übergreifende Aufarbeitung in Erinnerung behalten. Der Verlustschmerz in den Familien verblasst langsam. Die Trauer bleibt. Nicht nur die Familie trauert; ein ganzes Volk trauert. Die hiesigen Dörfer begehen in unterschiedlicher Form diesen Tag.

Die Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Interessengemeinschaft der Kriegshinterbliebenen fühlt sich in besonderer Verantwortung. Sie richtet in vielen Ortschaften würdige Gedenkfeiern aus. Für ihre vieljährige Arbeit für Frieden und Versöhnung (Grabpflege im Ausland und Suche nach vermissten und gefallenen Soldaten, die noch nicht bestattet werden konnten), ganz im Sinne der Hinterbliebenen spreche ich ihr Dank und Anerkennung aus.

Es soll auch Schützenvereine und Feuerwehren im Landkreis geben, die nach der Kranzniederlegung in der Kirche im Gottesdienst in das örtliche Schützenhaus zum Umtrunk einladen lassen. Das ist Verhöhnung und Missachtung aller Opfer der Kriege. Andernorts wird mit viel Empathie diesem besonderen Tag des Gedenkens begegnet und in den Kirchen das Abendmahl gefeiert. Die schroffen Initiatoren und Teilnehmer der Zusammenkünfte nach Gedenkfeiern stellen sich nicht als Vorbilder dar. Bedauerlicherweise sind Bildung und gutes Benehmen scheinbar keine Tugend mehr und können nicht an nachfolgende Generationen tradiert werden. Der Mangel an geeigneten Vorbildern lässt die Schranken von gutem Benehmen leichter fallen. Vorbild- und Werteverlust begünstigen nachhaltig zum Beispiel die grässlichen Auswüchse im P6, wie vor wenigen Tagen aus Dannenberg zu erfahren war.

Iris-Isolde Mier,

Prezelle

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