Online: 02.01.2018 - ePaper: 03.01.2018

Marsch wohin?

Betrifft: Artikel "Der erste Schritt des Marsches" (EJZ vom 11. Dezember)

"Der erste Schritt des Marsches" titelt Joachim Zießler in der EJZ vom 12. Dezember und meint, Europa komme voran mit der Verteidigungsunion. Wogegen will sich Europa eigentlich verteidigen? Seitdem Kriegsminister nicht mehr so heißen, sondern eben Verteidigungsminister, soll man wohl auch nicht mehr von einer Kriegsunion sprechen. Hat nicht gerade das Friedensforschungsinstitut SIPRI in 2017 einen Anstieg der weltweiten Waffenverkäufe festgestellt, nach fünf Jahren des Stillstands? Finden nicht weltweit überall lokale Kriege mit eben diesen Waffen statt? Wie kann man da vom Erwachen einer "schlafenden Schönheit" sprechen, wie Herr Juncker? Sollte man nicht eher von einer Bestie reden, die in erster Linie die Zivilbevölkerung trifft - Kinder, Frauen, Greise - alle, die eigentlich in Frieden leben wollen. Man denke nur an den Jemen, wo sich Saudi Arabien und der Iran einen vernichtenden Stellvertreterkrieg leisten, und wir dann spenden sollen, anstatt dass die Waffenlieferungen an Saudi Arabien eingestellt werden. Herr Trump erkennt Jerusalem als israelische Hauptstadt an. Herr Netanjahu reist nach Brüssel und empfiehlt der EU, nun endlich dasselbe zu tun. Dass die Palästinenser empört darüber sind, ist nur allzu verständlich. Sie verbrennen in Berlin israelische Flaggen anlässlich einer Demo. Nicht verständlich finden das Bundeskanzlerin Merkel, Bundespräsident Steinmeier, der Zentralrat der Juden und andere. Als schändliche Vorkommnisse wird solches Verhalten gebrandmarkt. Wird auch so stark reagiert, wenn Israels Regierung beschließt, die illegalen Siedlungsgebiete auf palästinensischem Gebiet weiter auszubauen? Mit Sicherheit hat Deutschland in der Nazizeit durch die Ermordung von Millionen von Juden gräuliche Untaten vollbracht. Sie sind auch durch Zahlungen und insbesondere Waffenlieferungen nicht zu tilgen. Aber es muss auch möglich sein, an der israelischen Politik, die Kriegspolitik ist, Kritik zu üben. Wer auf fremdem Territorium hohe Mauern errichtet, muss sich fragen lassen, wie das zu rechtfertigen ist. Wer die Palästinenser einpfercht und entrechtet, sollte sich nicht beschweren, wenn Flaggen brennen. Es sollte möglich und zulässig sein, den Staat Israel und seine Regierung zu kritisieren, ohne dem Verdacht ausgesetzt zu sein, Juden feindlich gesinnt zu sein. Wobei man sich fragen muss, wieso die Menschen in Israel sich eine solche Regierung wählen. Aber auch hier gibt es ja viele, die AfD wählen.Arno Kühnl, Hitzacker

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