Online: 09.02.2018 - ePaper: 10.02.2018

Irrglaube an Menschlichkeit

Betrifft: Verwarngeld der Samtgemeinde Elbtalaue

Liebe Samtgemeinde Elbtalaue, ich verstehe, dass die leeren Kassen gefüllt werden müssen. Ich verstehe auch, dass Verkehrsordnungswidrigkeiten geahndet werden müssen. Ich verstehe jedoch folgende schriftliche Äußerung eines Mitarbeiters der Samtgemeinde Elbtalaue nicht: "Wenn Sie ein Kind haben, welches aufgrund einer Verletzung nicht selbstständig gehen kann, dann haben Sie die Möglichkeit, gegenüber des Kinderarztes (in Dannenberg) zu halten und können das hilfsbedürftige Kind in die Praxis bringen und dann den Pkw dort wieder entfernen (...) Aus vorgenanntem Grund kann ich von dem gegen Sie erlassenen Verwarnungsgeld nicht absehen ..."

Diese Antwort erhielt ich, als ich schriftlich bei der Samtgemeinde-Verwaltung nachfragte, ob diese von dem Verwarnungsgeld absehen könnte, weil ich mit meinem fünfjährigen Sohn nachweislich beim Kinderarzt war (Fahrtenbescheinigung fügte ich bei) und keinen freien Parkplatz in der Nähe fand. Ich habe sicherlich mit viel gerechnet, aber nicht mit einer so lebensfremden und kindeswohlgefährdenden Antwort seitens des Samtgemeindemitarbeiters. Wie kann man nur glauben, dass man ein weinendes kleines Kind alleine bei fremden Leuten hinsetzen kann, um irgendwo einen freien Parkplatz zu suchen? Selbst wenn man dies hätte machen wollen, was ich in Anbetracht der elterlichen Aufsichtspflicht höchst bedenklich finde, dann wäre es trotzdem unmöglich gewesen. Ein Kind in so einer Situation weicht dem Elternteil in den seltensten Fällen von der Seite.

Gesetze und Verordnungen werden doch deswegen erlassen, um das gesellschaftliche Leben zu regeln und den Bürger zu schützen und nicht um ihn zu gängeln. Es scheint so, dass das Wohl des Kindes nebensächlich ist und hinter dem Durchsetzen von Gesetzen und Verordnungen zurückstehen muss. Es bleibt fraglich, ob hier der Sinn für die Realität ausreichend entwickelt ist.

Mir geht es sicherlich nicht um die zehn Euro Verwarnungsgeld. Diese habe ich nunmehr bezahlt. Ich hatte nur gedacht, dass in einer Samtgemeinde, die insbesondere immer wieder darum bemüht ist, Eltern und Kindern das Wohnen in dieser Region attraktiv zu gestalten, im Einzelfall auch mal Menschlichkeit seitens der behördlichen Mitarbeiter gezeigt wird. Dies war wohl ein Irrglaube.

Tanja Kappelmann,

Hitzacker

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