Online: 02.03.2018 - ePaper: 03.03.2018

Nirgendwo so kritisch wie in der EJZ

Betrifft: Artikel "Startschuss in der Dorfstraße" (EJZ vom 20. Februar)

Wir waren uns gestern in einer Sitzung des geschäftsführenden Plenums einig, dass es in der gesamten deutschen Presse über unser Vorhaben keine so kritische Berichterstattung wie die der EJZ gibt. Wir sind verwundert, dass nirgendwo in dem Blatt über die Intentionen des von uns geplanten Stadtteils von Hitzacker berichtet wird. Wir sind angetreten, dem ländlichen Raum des 21. Jahrhunderts ein Testfeld regionaler, nachhaltiger Entwicklung anzubieten. Wir wissen noch nicht, wo uns die Reise hinführt, wie immer ist die Zukunft ungewiss.

Aussitzen wollen wir die drängenden, gesellschaftlichen Fragen nicht, soviel ist gewiss. Was wir tun ist selbstfinanziert, gesunder, moderner Wohn- und Gewerberaum für 300 Menschen, bezahlbar, der Ansatz eine verbindliche Nachbarschaft auszuprobieren. Die gelebte Alternative heißt Agrarindustrie, Vergreisung, Altersarmut, Schimmel in vielen Wohnungen, energetisch unzureichender Wohnraum, Energieverschwendung, siehe Masterplan Energieeffizienzdebatte usw. Kein Wort darüber in dem Blatt. Stattdessen das litaneihafte Wiederholen des in einer Demokratie üblichen Konfliktpotenzials, das auch von ihnen überbetont wurde.

Wird da eine gute Initiative kaputtgeredet? Was haben die Migranten getan, dass man sie ständig als Schlusssatz erwähnen muss? Lüchow-Dannenberg war schon immer ein Einwanderungsland, nicht immer zum Gefallen der Ansässigen. Klar, es gibt verschiedene Sichten und Ängste, dessen sind wir uns bewusst, das ist lange noch nicht erledigt. Wir haben den Runden Tisch initiiert, die Stadt, das Bauamt des Landkreises, die Gewerbetreibenden, das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt, die Wirtschaftsförderung zusammengebracht, um die strittigen Fragen bezüglich unserer Baugenehmigungen zu klären.

Wir haben in nicht immer einfachen Runden an einer guten Lösung konstruktiv mitgewirkt, gangbare Wege sind erarbeitet, auch für die Anwohner von Hitzacker/Süd. Das ist ein Erfolg. Darin steckt auch der gemeinsame Wille und die Fähigkeit zum Kompromiss. Da steckt viel Herzblut und ehrenamtliche Arbeitszeit drin, wir haben uns einiges bieten lassen müssen, bis eine gemeinsame Linie möglich war. Das Resultat ist die Baugenehmigung, nun wollen wir unser Vorhaben realisieren. Auf der Grundlage von geltendem Recht, ein B-Plan hat Gesetzeskraft. Er wurde 1999 verabschiedet, alle Einwände wurden gehört, wie es sich gehört im Rechtsstaat. Dann wurden Absprachen vergessen, Unmut im Gewerbegebiet und Wohngebiet gegen die Stadt waren die Folge. Auch das baden wir mit aus, nur eben nicht meckernd, sondern konstruktiv.

Jetzt plötzlich ist die Sache ganz einfach, der Lkw-Zulieferverkehr zum Gewerbegebiet Am Räsenberg, der im Moment über den Sarensecker Weg geleitet wird, kann nun anders geführt werden. Das ist eine von uns herbeigeführte Verkehrsberuhigung des Sarensecker Weges, zum Nutzen aller dort Lebenden. Allerdings, vielbefahren war dieser Weg nie, es gibt wenig Lieferverkehr dort. Jetzt wird auch noch der Engpass Bahnunterführung beseitigt, wir haben als Hitzackeraner allen Grund zum Feiern. Nichts davon in der Interpretation unserer Presseerklärung. Sicher will ich nicht vorschreiben, was zu schreiben ist, die journalistische Freiheit bleibt unbenommen. Ein wenig Recherche allerdings würde ich schon erwarten. Freiheit ist nicht die Abwesenheit von Integrität.

Thomas Hagelstein, Tießau

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