Online: 09.03.2018 - ePaper: 10.03.2018

Details stören nur

Betrifft: Kommentar "Schmonzette" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 24. Februar)

Wow, den Kommentar von Jens Feuerriegel über die "Demonstrationen der Linken" musste ich doch glatt zweimal lesen: Möchte sich da jemand für die Nachfolge von Franz Josef Wagner in der "Bild" bewerben? Selbst der Großmeister des Boulevards würde vermutlich vor Neid davor erblassen, wie man so viele Ressentiments mit solch sprunghaften Schlussfolgerungen in eine kleine Kommentarspalte quetschen kann.

Wer gegen türkische Angriffe auf Kurden in Syrien ist, ist also ein Trump-Fanatiker; was soll man sich da noch länger mit der komplexen Gemengelage in dem Konflikt abgeben? Stattdessen schreitet "die Linke" jetzt Seit' an Seit' mit dem militärisch-industriellen Komplex, wie der Redaktionsleiter auf einem Plakat gesehen haben will - oder ist auch das nur wieder nur die geschickte Aneinanderreihung von Halbwahrheiten und Eigeninterpretationen, die einen zu einem echten "Wagner" machen?

Was natürlich nicht fehlen darf, sind die Sorgen des einfachen Menschen, dem sich der Boulevard ja besonders verpflichtet fühlt. Hier wird Feuerriegel dann wohl angesichts des nahenden Internationalen Frauentages zum Möchtegern-Frauenversteher, scheitert dabei aber kläglich: Nicht nur, dass er alleinerziehenden Müttern den Horizont abspricht, sich neben ihren berechtigten alltäglichen Sorgen auch um größere Zusammenhänge Gedanken zu machen - nein, er meint auch noch zu wissen, wie diese ihren Tag gestalten. Wie man da eine Demo auf 17 Uhr legen könne, wo jene jungen Frauen doch an der Kasse ihr täglich Brot verdienen. Nur kenne ich kaum eine alleinerziehende Mutter, die zu der Zeit noch arbeitet - aus dem einfachen Grund, dass es zu dieser Zeit - nicht nur hier - gar keine Kinderbetreuung mehr gibt. Aber geschenkt, solche Details stören doch nur.

Und wer weiß, vielleicht wird das große Boulevardblatt dadurch ja wirklich auf Feuerriegel aufmerksam? Eine "Beförderung" hätte auf jeden Fall eine gute Seite: Hier würden seine Kommentare sicher nicht vermisst. Dr. Frederik Holst, Kolborn

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