Online: 20.03.2018 - ePaper: 21.03.2018

Samtgemeinden sind überflüssig

Betrifft: Artikel "Grüße aus der B-Klasse" (EJZ vom 21. Februar)

Lüchow-Dannenberg ist ein armer Landkreis, das wissen wir. Und große Sprünge sind mit öffentlichen Geldern kaum bis gar nicht möglich. Aber es gibt einen Bereich in diesem Landkreis, da leisten wir uns viel: die Verwaltung. Wir werden von drei Samtgemeinden verwaltet, die alle identische Aufgaben und entsprechendes Personal haben, und dann gibt es ja auch noch die Kreisverwaltung.

Finanziert wird dieser Luxus unter anderem über Umlagen. Die Samtgemeinden müssen einen großen Teil ihrer Einnahmen an den Landkreis abgeben. Das fehlende Geld holen sich die Samtgemeinden per Umlage von den Städten und Gemeinden wieder. Und die Städte und Gemeinden? Die haben, um überhaupt handlungsfähig zu bleiben, nur eine Möglichkeit: Steuern erhöhen. Also werden fast überall im Landkreis in diesem Jahr die Gewerbe- und Grundsteuern erhöht. Das trifft dann vor allem die, die für Arbeitsplätze in diesem Landkreis sorgen, nämlich die Gewerbetreibenden. Steigende Grundsteuern belasten alle Bürger, die Grundstücksbesitzer unmittelbar und Mieter mittelbar über steigende Nebenkosten. Dass das den Standort Lüchow-Dannenberg nicht eben attraktiver macht, versteht sich von selbst.

Wäre es nicht langsam an der Zeit, sich zu fragen, warum wir uns soviel Verwaltung leisten wollen? Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt: Es gibt ausreichend Lokalpolitiker, die offensichtlich gar nicht genug Mandate vereinen können. Wenn also ein beachtlicher Teil der Stadt- beziehungsweise Gemeinderäte, Samtgemeinderäte und Kreistagsposten eh in Personalunion von einer Person besetzt sind, dürften wir auch keinen Verlust der politischen Vielfalt befürchten, wenn wir zum Beispiel auf die Samtgemeinden als überflüssige Verwaltungsebene verzichten würden.

Noch ein Wort zu den vielen Spitzenbeamten, die wir uns leisten. Ich war nie jemand, der über zu hohe Gehälter im öffentlichen Dienst gemeckert hat. Vor allem dann nicht, wenn dem Spitzengehalt auch eine Spitzenleistung entgegensteht. Und da habe ich inzwischen meine Zweifel. Bei einigen unserer Spitzenbeamten habe ich das Gefühl - und so viel Polemik darf zum Schluss sein - dass das einzige berufliche Ziel nur noch darin besteht, die zweite Amtszeit irgendwie zu überstehen, um das satte Entgelt zu einer ebenso satten Pension werden zu lassen (die wir übrigens auch weiter über unsere Steuern bezahlen). Das ist dann doch ein bisschen wenig für einen Landkreis, der jetzt Menschen in Politik und Verwaltung braucht, die nach vorne blicken und Konzepte nicht nur für die persönliche Zukunft, sondern für die Zukunft aller Bürger entwickeln.

Markus Wölk,

Reitze

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