Online: 20.03.2018 - ePaper: 21.03.2018

Die Keule eines Frauenverstehers

Betrifft: Kommentar "Jährliche Keule" (EJZ vom 10. März)

"Jährliche Keule" überschreibt Chefredakteur Jens Feuerriegel seinen Kommentar, in dem er endlich aufräumt mit den ganzen fake-news bezüglich vermeintlicher Benachteiligung von Frauen. Dass es solche reaktionären Sichtweisen wie seine gibt, weiß jede/r, dass aber der Chef der einzigen hiesigen Zeitung so einen einseitigen, verquasten Unsinn von sich gibt, kann ich mir eigentlich nur so erklären, dass er sie geradezu braucht, die folgenden Peitschenhiebe des shit-storms, ohne die er sich offenbar nicht mehr fühlt. Seine "Empfehlungen" an die gesamte Frauschaft stammen aus dem vorletzten Jahrhundert und sind dermaßen beleidigend, dass die EJZ sie gemäß ihrem eigenen Kodex eigentlich nicht abdrucken dürfte.

Aus "persönliche Gründen" würden Frauen oftmals Teilzeit-Beschäftigungen wählen. Tja, selbst schuld also, wenn da nur miese, schlecht bezahlte Jobs herauskommen und eben nicht eine Professur. Wieder einmal schwimmt Feuerriegel an der Oberfläche, stellt keinerlei Zusammenhänge her. Dabei ist es wie mit der Elternzeit. Wer bleibt zuhause? Die, die schlechter bezahlt wird, logo. Wer absolviert die notwendige häusliche (Betreuungs-)arbeit und knappst sie sich von einer möglichen befriedigenden, gut bezahlten Vollzeittätigkeit ab? Sie. Wie sind die trotzdem notwendigen, völlig überhöhten Krippengebühren zu zahlen? Vom höheren Gehalt. Dem des Gemahls.

Naja, und außerdem stellen sich Frauen ja der männlichen Konkurrenz nicht, weil sie seiner Ansicht nach Schiss haben und zu blöd für Mathe sind. Gott ist und bleibt ein Mann bei ihm. Frauen wollen eben nur den (schlecht bezahlten) Erzieherinnen-Job in der Kita (Frechheit). Und leider fehlt ihnen das notwendige Testosteron, um die Chefs mit ein paar wohlgesetzten Handkantenschlägen zu einer besseren Gehaltszahlung zu bringen. Sollen sie doch endlich mal "nach SKF inne Schicht" oder auf der Ölplattform den echt männlichen Ölgeschmack fühlen. Aber da sind sie sich ja zu fein für. Er kann, nein er muss einem Leid tun, wie muss er sich bloß fühlen, wenn er einmal Frauen begegnet, die nicht seinem armseligen Bild entsprechen.

Und schließlich noch sein besonderes Sahnehäubchen: Die konzentrierten, motivierten Guten werden auch noch genauso bezahlt wie die lahmarschigen, fahrigen, gleichgültigen Schlechten. Ja, da ist er genau auf einer Wellenlänge mit "Uns Uwe" Seeler, der seinerzeit sein offenbar durch zu viele Kopfbälle eingeschränktes Weltbild in die Phrase stopfte: "Sozialismus ist, wenn der Faule dem Fleißigen das Geld aus der Tasche zieht." I bewahre. Frauen, bleibt am Herd.

Kurt Herzog,

Dannenberg

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