Online: 23.03.2018 - ePaper: 24.03.2018

Verkarstung der Umgangsformen

Betrifft: Artikel "Auf dem Land rumort es" (EJZ vom 16. März)

Seit fast 100 Jahren haben wir in Deutschland keinen Kaiser mehr, und fast ebenso lange kämpfen selbstbewusste Bürger darum, dass Behördenwillkür und der Amtsschimmel abgeschafft werden. Nun haben wir seit einigen Jahren erste Erfolge in der öffentlichen Verwaltung: In Ämtern mit Bürgerkontakt wird man inzwischen meist zuvorkommend, freundlich und auf Augenhöhe behandelt. Im Neuland-Verein, der erst 1988 von mehreren gesellschaftlichen Verbänden (also von Bürgern) gegründet wurde - unter anderem von der "Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft" - scheint das aber noch völlig anders zu sein. Da sträuben sich dem Leser die Nackenhaare, wenn er im Zusammenhang mit den Maßnahmen einzelner Viehzüchter zur Wolfsabwehr beziehungsweise zur Vorbeugung gegen Wolfsrisse von überalterten Richtlinien liest, mit denen Neuland seine angeschlossenen Bauern maßregelt. Noch schlimmer jedoch muten die KuK-Formulierungen des Neuland-Vorstandssprechers an, man sei "grundsätzlich bereit, Ausnahmeanträge (....) entgegenzunehmen und dann fachgerecht zu entscheiden". Danke und Hofknicks. Das deutet eher auf eine Verkarstung der Umgangsformen hin als auf eine Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen.

Jörg Ehreke, Lütenthien

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