Online: 23.03.2018 - ePaper: 24.03.2018

Stellenwert von Kultur und kultureller Bildung

Betrifft: Artikel "Wenn der Zuspruch nicht ausreicht" (EJZ vom 19. März)

Diskussionen um den Stellenwert von Kultur und kultureller Bildung sind nicht neu. Dieser Stellenwert wird oft an dem Einsatz der Mittel und nach Publikumzahlen bemessen. Nach Artikel 6 der Niedersächsischen Verfassung haben unter anderen die Gemeinden und die Landkreise den Auftrag, Kunst und Kultur zu beschützen und zu fördern. Die Kommunen stellen dafür auch Mittel zur Verfügung. Allerdings zählen diese Mittel zu den freiwilligen Ausgaben und sind daher bei Kommunen mit Defiziten oder Zukunftsverträgen diejenigen Ausgaben, die als erstes gestrichen werden müssen. Die Verankerung eines bestimmten Teils des Gesamtbudgets jeder Kommune als Pflichtleistung zur Erfüllung des Verfassungsauftrages wäre erforderlich.

Die Bemessung der Wichtigkeit kultureller Angebote nach dem Zuspruch durch das Publikum entspricht einem Zeitgeist, in dem Kinos börsendotiert sind, Kunstmarktpreise explodieren, Events und spektakuläre Inszenierungen Kultur profitabel machen. Dieses Denken und Handeln entspricht dem Weg in eine zunehmende Ökonomisierungsgesellschaft mit veränderter Rolle des Menschen. Es bleibt aber ein Auftrag der Vermittlung kultureller Bildung für einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt. Kulturelle Bildung ist Bildung zur kulturelle Teilhabe und Bestandteil von allgemeiner Bildung. Es geht dabei um Lern- und Auseinandersetzungsprozesse von Menschen mit sich selbst, der Umwelt und dem gesellschaftlichen Zusammenleben. Die Vermittlung erfolgt über kreative Prozesse, und Kreativität ist eine wichtige Schlüsselkompetenz auch für den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft.

Eine Kultursparte, die das alles in sich vereint, ist das Theater mit allen Facetten (unterhaltsam, politisch, gesellschaftskritisch, ästhetisch...) und Akteuren vom Amateur- bis in den Profibereich. Auch im Bereich von Persönlichkeitsentwicklung (Regeln einhalten, Rücksichtnahme auf andere, Kooperation, Selbstwertgefühl...) spielt das Theater eine wichtige Rolle. Aus den vergangenen Jahren gibt es dazu sehr gute Erfahrungen in den Schulen und in der Jugendhilfe bei Kooperationen mit dem Theater der Freien Bühne Wendland. Sich selbst ausprobieren, eine eigene Position finden, sich gegen Trends behaupten zu können, Zivilcourage zeigen sind wichtige Elemente, die aktiv in der Theaterarbeit gefördert werden. Natürlich lebt das Theater auch von dem Austausch mit dem Publikum. Die Stücke erzählen über Menschen und über das Leben. Die Zuschauer können etwas wiedererkennen und Neues entdecken. Das Bühnengeschehen kann bestätigen oder in Frage stellen, es kann neue Perspektiven eröffnen, einen Blick für Alternativen vermitteln oder einfach nur gut unterhalten. "Das Theater ist nicht nur der Punkt, wo sich alle Künste treffen. Er ist ebenso die Rückkehr der Kunst ins Leben" (Oscar Wilde).

Einen aufrichtigen Dank an alle Theaterschaffenden dafür, dass sie auch unter den schwierigen Umständen immer wieder neue Inszenierungen anbieten und damit etlichen Menschen viel Freude bereiten.

Dagmar Schulz,

Lüchow

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