Online: 30.03.2018 - ePaper: 30.03.2018

Inhaltsleere Facebook-Einträge

Betrifft: Kommentare auf der EJZ-Facebookseite

"Die haben doch richtig einen am Helm, wird Zeit, dass der Castor wieder kommt, damit die wieder was zu tun haben" - Liebe fleißige Kommentatoren inhaltsleerer Beiträge auf Facebook, die gegen alles sind, was die "Zecken" (Zitat) inhaltlich auf die Straße tragen. Es war bei Weitem nicht das erste Mal, dass ich ernsthaft darüber nachdenken musste, wie so ein Satz als Reaktion auf einen Zeitungsartikel in den Kommentarspalten der EJZ zustande kommt, der dann offensichtlich auch noch besonderen Anklang bei vielen anderen Facebook-Nutzern findet. Diesmal ist das die indirekte Antwort auf eine Demo, die Solidarität mit Afrin fordert. Solchen Inhalten, bei denen es um Frieden, soziale Gerechtigkeit oder Gleichberechtigung geht, wird hier mittlerweile besonders kommentierfreudig begegnet. Dabei ist es dann egal, worum genau es gerade geht. Hauptsache man kommentiert irgendeinen Nonsens, vollständig am Thema vorbei, untermalt mit persönlichen Beleidigungen und reißt dabei am besten noch sozialpolitische Themen wie "harz4" (Zitat) so weit an der Oberfläche an, dass wirklich niemand mehr versteht, wo man inhaltlich herkommt oder hinwill. Zusammenhang? Thematisches Verständnis?

Es ist offensichtlich cool genug, dass einem das Leid anderer an den Backen vorbeigeht, um es als Anlass zu nehmen, im Netz herumzupöbeln. Wenn ich dann sehe, wie Menschen, denen ich früher regelmäßig im Alltag begegnet bin, sich so gegen soziales Engagement engagieren, überkommt mich manchmal die Freude darüber, das eigentlich sehr schöne Wendland verlassen zu haben. Gut, dass es sich hierbei nur um Momentaufnahmen handelt, die sich im Zuge toller Projekte und Aktionen genauso schnell wieder verflüchtigen.

Ja, ihr Armen, die ihr als Steuerzahler die Polizeieinsätze bezahlen müsst, seid wirklich gebeutelt. Und klar, es ist umso nerviger, wenn die Innenstadt unserer geliebten Metropole gesperrt wird, nur damit Menschen eines ihrer Grundrechte in Anspruch nehmen können, um darauf aufmerksam zu machen, dass deutsche Panzer unter Missachtung des Völkerrechts in Afrin Zivilisten vertreiben. Sich das auch noch nach Feierabend anhören zu müssen?

Aber wieso sich dann eigentlich noch die Mühe machen, darüber bei Facebook zu streiten? Oder über irgendetwas anderes. Ich begreife es nicht. Hier ist wohl nicht genügend Platz, um zu klären, was gerade in und um Afrin herum passiert. Es ist natürlich okay, dazu verschiedene Meinungen zu haben. Es ist auch okay, wenn sich das eigene soziale Engagement auf die Bewachung des örtlichen Osterfeuers beschränkt, man sich überhaupt nicht mit solchen Themen auseinandersetzt und lieber bei Treckern und Fußball bleibt. Aber dann haltet euch doch bitte wenigstens auch ganz aus diesen Dingen raus, wenn ihr dazu doch am Ende sowieso nichts zu sagen habt.

Trotzdem danke für die erhöhte Reichweite eines wichtigen Themas. PS: Ich mag Fußball.

Sven Bohlmann,

Hamburg

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