Online: 30.03.2018 - ePaper: 30.03.2018

Soziale Netzwerke nicht sozial

Betrifft: Artikel "Datenskandal alarmiert Politik und Firmen" (EJZ vom 22. März)

Seit Jahren kann man den Umgang vieler Nutzer mit dem Internet nur als extrem blauäugig bezeichnen. Von wegen "Die Bürger müssen sorgsamer mit Daten sein". Mein in den vergangenen Jahren oft gegebener Rat, doch lieber etwas vorsichtiger zu sein, wurden in der Regel mit Plattitüden wie: "Ich hab doch nichts zu verbergen", "Was sollen die mit meinen Daten schon anfangen?" und "Ist doch alles kostenlos" beantwortet. Einsicht ist leider selten vorhanden.

Viele Nutzer von Google, Facebook, WhatsApp und Co. lassen sich von einigen speziellen Vorteilen blenden und haben jegliches Misstrauen verloren. Dabei könnte man sich doch einfach mal fragen, aus welchem Grund ein Mensch ein Vermögen für die erforderlichen Server-Netzwerke ausgibt. Hat etwa Mr. Zuckerberg als sozial engagierter Milliardär beschlossen, sein Geld in die "soziale" Einrichtung Facebook zu stecken, oder ist er etwa erst durch die Vermarktung von Facebook reich geworden? Facebook und Co. werden zwar als soziale Netzwerke bezeichnet, sind aber doch beileibe nicht sozial wie Rotes Kreuz, Caritas, Die Tafel und so weiter, sondern ex-trem gewinnorientiert.

Goethes "Zauberlehrling" und "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber können da lehrreich sein: Die Geister, die er rief, wurde der Lehrling nicht mehr los, und die treffsicheren kostenlosen Kugeln musste der Freischütz mit seiner Seele, also seiner Identität beziehungsweise den persönlichen Daten, bezahlen. Es gibt Alternativen: Den persönlichen Email-Account nicht bei Google anmelden, sondern etwa bei Posteo.de; E-Mails an den Freundeskreis via Verteilerliste gezielt versenden; als Suchmaschine bevorzugt StartPage oder DuckDuckGo nutzen; die Ortungsfunktion von Smartphone, Pad und Co. nur dann aktivieren, wenn sie gerade unbedingt erforderlich ist.

Detlef Kober, Riebrau

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