Online: 04.04.2018 - ePaper: 05.04.2018

Nervengifte als Zeitbomben

Betrifft: Artikel "Neuer Streit um Pestizide" (EJZ vom 23. März)

Neonikotinoide werden hergestellt und eingesetzt, um Insekten zu töten. Dass neben den Zielarten wie zum Beispiel Blattläusen auch unzählige Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und andere Insekten zu Grunde gehen, wird billigend in Kauf genommen. Unbegreiflich, dass auch nach diversen Studien zum Arten- und Populationsrückgang in der Insekten- und Vogelwelt Frau Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sich nicht für ein Verbot dieser langlebigen, als tickende Zeitbomben bezeichneten Nervengifte aussprechen kann. Der Glaube an ein ernsthaftes "Aktionsprogramm Insektenschutz", wie im Koalitionsprogramm vereinbart, wird so schon nach wenigen Tagen massiv erschüttert.

Insekten sind nicht nur als Bestäuber, sondern auch für den Erhalt fruchtbarer Böden essentiell. Der wirtschaftliche Schaden an den Agrarökosystemen entsteht nicht durch den Verzicht auf Pestizide, sondern durch deren oftmals schon vorsorgliche Anwendung. Viele unterschiedliche Bestäuber, etwa Honig- und Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und viele mehr erhöhen den Ertrag nachweislich. Die Agrarchemie-Lobby sägt unablässig an dem Ast, auf dem wir alle sitzen.

Im kommenden Jahr sind Europaparlamentswahlen. Dann haben die von Werner Kolbe im Leitartikel vom 24. März benannten "Millionen stummen Zeugen" immerhin die Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben, beziehungsweise denjenigen Abgeordneten zu geben, die sich für eine echte Agrarwende einsetzen.

Oliver Schuhmacher, Dannenberg

^ Seitenanfang