Online: 04.04.2018 - ePaper: 05.04.2018

Datenschutz - ein Witz

Betrifft: Datenschutz

Der kürzeste Witz, über den niemand mehr lachen mag, lautet: Datenschutz. Selbst, wer so schlau (oder vorsichtig) war, sich vor dem Gesicht zu verhüllen, wird inzwischen quasi gezwungen, circa 50 Daten über sich preiszugeben, wenn er nur ein Flugticket bucht. Wo, wann, von wem, mit welcher Zahlmethode wurde das Ticket gebucht? Welchen Platz, vor, hinter, neben wem hatte er gesessen? Saß er in der Nähe eines irgendwie Verdächtigen, braucht er sich nicht zu wundern, morgens um 3.28 Uhr geweckt zu werden, weil ein SEK ihm die Tür eintritt...

Was bestellte er bei der Getränke-Ausgabe? Was aß er? Zahlte er bar oder mit Kreditkarte? Und so weiter, und so fort. Wie gesagt: 50 Daten, die es (trotz "Anonymisierung", hahaaa) möglich machen, den Beförderten zweifelsfrei zum Abschuss freizugeben für alle möglichen Interessenten, die mit postalischer oder E-Mail-Nervung Zugriff erzwingen.

Merkwürdig, dass all dies unseren Datenschützern offenbar entging. "Wie tief schlafen sie denn?", hätte Loriot fragen mögen. Haben sie (Politiker sind sie alle, und guter Wille sei ihnen zugestanden) sich mit kundigen Internet-Experten versehen? Oder sind sie versehentlich geblendet worden vom Heiligenschein der selbsternannten Visionäre aus dem Land der unbegrenzten Scheinvermehrung in den USA? Die Letztgenannten haben keine rosarote Brille vor den Pupillen, sondern nur Dollar-Symbole drinnen. Ihr Wachstum stimmt (noch). Bei uns wächst der Schwund. Mutti Merkel, belastet durch eine neue Schwangerschaft mit einer zerstrittenen Eigenpartei (plus - na ja, irgend so eine Splittergruppe aus dem Süden) und entschulzten Sozen, muss nun wieder als Mutter Courage den Karren aus dem Dreck der Parteien-Basen ziehen. Und wer Basen entzieht, riskiert Übersäuerung.

Aber Lobbyisten schlafen nicht. Denn Wachstum geht nur mit Konsum, und der reicht von Leopard bis Whiskas.

Heinrich Baumgarten, Hitzacker

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