Online: 04.04.2018 - ePaper: 05.04.2018

Verächtliche Äußerungen

Betrifft: Ihre EJZ heute (EJZ vom 23. März)

In einen Kommentar darf ein Journalist mehr persönliche Meinung äußern und ist weniger der journalistischen Sorgfalt verpflichtet. Dennoch habe ich mich an dem Freitag geärgert.

Thomas Janssen ist nicht informiert, wenn er in seinem Kommentar die Aussage "deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt" als "eine die Realität bestenfalls halbwahr beschreibende Allerweltsformel" bezeichnet. Die provokante Aussage ist nicht nur halb, sondern leider sehr wahr. In einer Dokumentation des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und anderen Recherchen von Friedensaktivisten wird belegt, wie zum Beispiel die Firma Rheinmetall in kriegführende Länder, oft an beide kriegführende Parteien, liefert, an die nach deutschem Recht nicht geliefert werden kann, weil in Südafrika und Italien Rheinmetall-Firmen existieren, die weder von Deutschland, noch von Italien oder Südafrika eingeschränkt werden. Viele deutsche Aktionäre verdienen daran, manche sogar ohne es zu wissen. Für eine Grundinformation reicht es übrigens schon, den Wikipedia-Artikel über das Unternehmen Rheinmetall zu lesen. Recherchen über andere deutsche Waffenfirmen dürften ähnliches aufzeigen.

Es scheint zur Zeit einen Trend zu geben, sich über Weltverbesserer, Moralisten, Gutmenschen verächtlich zu äußern, ohne ihre Anliegen inhaltlich zu betrachten. In meiner Zeitung erwarte ich anderes.

Uta Quis, Gledeberg

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