Online: 06.04.2018 - ePaper: 07.04.2018

Trennen zwischen Kritik und Antisemitismus

Betrifft: Artikel "Antisemitismus ist kein Tabu mehr" (EJZ vom 31. März)

Ich stehe der Politik der derzeitigen politischen Führung in Israel (und ihrer amerikanischen Schutzpatrone, ohne die sie diese Politik nicht durchführen könnte) kritisch gegenüber. Aber deswegen bin ich noch lange kein Antisemit. Das Gegenteil macht Sinn: Wenn wir dazu schweigen, dann machen wir uns mitschuldig an den Verbrechen, die der Staat Israel an den - militärisch hoffnungslos unterlegenen, aber nicht minder skrupellosen - Teilen der Nachbarschaft ausübt.

Der Staat Israel ist nach seinem Selbstverständnis auch ein jüdischer Staat; aber die Trennung von Staat und Kirche/Religion ist eine israelische Baustelle und für Außenstehende in dieser Verflechtung nicht immer verständlich. In Israel wohnen Menschen, die Netanyahu gewählt haben. Das haben wir zu respektieren. Aber dessen Grenzen- und Kompromisslosigkeit gefallen mir nicht. Juden gehören zu den engsten Freunden meiner Frau und mir. Wahre Freundschaft ist aber kritische Freundschaft. Und deswegen bitte ich auch die EJZ um eine Berichterstattung, die unmissverständlich Kritik an israelischer Politik von Antisemitismus trennt.

Traurig genug, dass die evangelische Landeskirche diesen Unterschied nicht kennt, zur Kenntnis nehmen will oder für ihre Zwecke missbraucht. Aber für die Veröffentlichung in der EJZ sind Sie verantwortlich. Eine Kopie dieses Schreibens geht an die Landeskirche, die den Inhalt des Artikels zu verantworten hat und auch an meine Frau, weil ich sie in diesen Zeilen erwähnt habe. Antisemitismus geht gar nicht. Die Nummer hatten wir schon einmal. Aber schlechter Journalismus geht auch nicht.

↔Arno Freihold,

↔Vietze

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