Online: 06.04.2018 - ePaper: 07.04.2018

Keime überall

Betrifft: Multirestistente Keime

Die Zunahme der öffentlichen Besorgnis um multiresistente Keime ist zu begrüßen. Damit die Konsequenzen aus dieser Sorge zielführend werden hier einige zusätzliche Informationen zum Thema. Die Entwicklung von Resistenzen fußt auf dem Prinzip der Anpassung von Organismen an widrige Lebensumstände. Das ist eigentlich ein begrüßenswerter natürlicher Mechanismus, der das Überleben begünstigt. Leider beschränkt sich diese Fähigkeit nicht nur auf für Menschen nützliche Lebewesen, sondern hilft auch Schädlingen. Menschen haben gelernt, sich gegen Infektionen mittels Antibiotika erfolgreich zu wehren. Infektionen sind in zunehmender Häufigkeit eine Folge invasiver medizinischer Maßnahmen. Diese beeinträchtigen die natürlichen Schutzbarrieren gegen Keime: Operationen, künstliche Beatmung und Ernährung, Dialyse und vieles mehr. Krankheitskeimen werden hierdurch Eintrittspforten in den Körper angeboten. Menschen profitieren trotzdem vom medizinischen Fortschritt. Gefährliche Krankheiten können überlebt werden. Die Lebenserwartung steigt. Die andere Seite dieser Medallie jedoch ist der notwendige Anstieg des Antibiotikaverbrauches und die Anpassung der Keime dank ihrer von Mutter Natur spendierten Abwehrfähigkeit durch Resistenzentwicklung.

Zielführende gesellschaftliche Konsequenzen zur Eindämmung des Problems sind: Kontrolle der korrekten Anwendung von Antibiotika, bereits gesetzlich verankert im Infektionsschutzgesetz, Verbot von nicht lebensnotwendigen Antibiotikaanwendungen beispielsweise in der Tiermast, Entwicklung von Medikamenten, die nach der Anwendung leicht zerfallen und nicht in die Umwelt gelangen, Ermöglichen einer lückenlosen gesetzlich bereits vorgeschriebenen Hygiene durch Erhöhung des Personalschlüssels im Gesundheitsbereich. Das erfordert Investitionen. Reden wir mit unseren Parlamentariern darüber - und höhere Preise für Fleisch, das können wir Konsumenten selbst beeinflussen.

Zuletzt: Panik bezüglich des Trinkwassers ist nicht geboten. Dies ist in unserer Gesellschaft das bestkontrollierte und keimärmste Lebensmittel, davon geht keine Gefahr aus. Ob das Abraten von Baden in Gewässern für Immungeschwächte viel Sinn macht, wenn multiresistente Keime mit hoher Wahrscheinlichkeit schon im Ausguss der Küchenspüle zu finden sind, kann diskutiert werden.

Dr. med. Barbara Khanavkar,

Vietze

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