Online: 13.04.2018 - ePaper: 14.04.2018

Schutz oder Seelsorge?

Betrifft: Artikel "Was man sonst nicht sagen kann" (EJZ vom 3. April)

Die Krankenhaus-Seelsorge hat von der evangelisch-lutherischen Kirche die Aufgabe verpasst bekommen, sich so wichtig zu finden, dass es für die Patienten in der Dannenberger Klinik unmöglich ist, Kontakt zu einem Pastor zu bekommen, wenn dieser Wunsch geäußert wird. Sie fühlen sich so wichtig, dass sie sich über die Verschwiegenheit hinwegsetzen. Bei einem Tischabendmahl in einer Kirche in Anwesenheit von mehreren Personen setzte sich ein Mitglied der Seelsorge besonders in Szene und sprach umfassend über Patienten. Das ist unanständig! Wer möchte mit Krankheit und Problemen Inhalt von Tratsch sein? Die Kirche ist kein öffentlicher Marktplatz.

Eine weitere Begegnung mit der Krankenhaus-Seelsorge: Nach der Verlegung von der Intensiv-Station auf die Innere Station stand noch am selben Tag unangemeldet und ohne Anklopfen ein Mitglied der Seelsorge in meinem Zimmer. Ich benötigte nur Ruhe! Aber der Seelsorger war im Begriff, einen Fragenkatalog bei mir abzuarbeiten. Es stand für ihn an erster Stelle die Frage nach meiner Krankheit und viele Warums. Aber er betonte, dass in dieses Krankenhaus kein Pastor kommt. Von Gespräch keine Spur. Das reichte mir. Er bekam von mir keine Antwort; meine angeschlagene Gesundheit verlangte nach Schutz. Mit aller Kraft verwies ich diese Person aus meinem Zimmer. Während meines Verbleibs kam erneut eine Person der Seelsorge, die die gleichen Fragen beantwortet haben wollte. Ich machte ihr nur mit dem Fingerzeig deutlich, mein Zimmer zu verlassen.

Die Seelsorger rühmen sich, eine Ausbildung zu haben. Das ist nicht so. Sie werden belohnt mit einer Tätigkeit, die ihnen am Wochenende mit wenigen Stunden und schönen Worten Glauben macht, befähigt zu sein für die Seelsorge. Anzumerken ist, dass fachlich ausgebildete Krankenhaus-Seelsorger mindestens sechs Semester an einer Kirchlichen Hochschule studiert haben.

An die Seelsorge sind keine Daten herauszugeben noch haben Seelsorger Patienten Fragen zu stellen. Menschen im Krankenhaus befinden sich in einer Ausnahmesituation. Oftmals können sie die eigene Situation nicht übersehen und werden nur belästigt.

Aber ich möchte nicht verschweigen, dass ich in meinem beruflichen Umfeld professionell ausgebildeten Seelsorgern begegne, die hervorragend in christlicher Verantwortung ihre Aufgaben beim Patienten am Krankenbett erfüllen.

Iris-Isolde Mier, Prezelle

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