Online: 07.05.2018 - ePaper: 08.05.2018

Über Lichtleiter denkt niemand nach

Betrifft: Artikel "Von den Risiken des Netzes" (EJZ vom 19. April)

Dass die EJZ Projekte im Kreis kritisch begleitet, finde ich gut und wichtig. Aber es sollte konstruktive Kritik sein. Also in einer Art geschrieben sein, die unsere Gemeinschaft stärkt. Der genannte Artikel hat bei mir aber gegenteilige Gefühle ausgelöst und mich auch ein Stück ratlos zurückgelassen. Was will der Autor mit diesem Artikel erreichen?

Wenn ich den Kern des Artikels nicht völlig missverstehe, dann geht es um die - in technischen Zeiträumen gedacht - außergewöhnlich langen Zeiten, in denen das Projekt sich nicht nur rechnen, sondern auch den Landkreis angemessen versorgen soll. Da spielt naturgemäß die verwendete Technik die zentrale Rolle - in diesem Falle Glasfaser. Interessant in diesem Fall ist (Stichwort konstruktive Kritik), dass das zeitgleich ablaufende - und mit dem Kreisprojekt konkurrierende - Vorgehen der Telekom mit mittelalterlicher Technik (Vectoring) keinerlei Erwähnung findet. Das hat Geschmäckle.

Als ich das Forschungsinstitut verlassen habe, waren Schnittstellen zwischen Lichtleiter und Elektronik mit 10 Gbit/s gerade (zumindest klein-) serienreif. Inzwischen basteln die ehemaligen Kollegen an 30, 60, und 100 Gbit/s. Über eine eventuelle Begrenzung durch Lichtleiter denkt aber rein niemand nach. Das mag für Internet-Knotenpunkte und Interkontinentalverbindungen eine Rolle spielen. Aber in dem Zusammenhang der Anbindung von Lüchow-Dannenberg spielt das genau keine Rolle.

Aber zurück zur Technik: Herr Piel stellt die Frage in den Raum, ob sich in dem angepeilten Zeitraum die Technik nicht dreimal überholt. Die Frage ist derzeit nicht beantwortbar und von daher unsinnig, solange nicht Hinweise in Richtung Alternativen geliefert werden. Alternativen fallen nicht vom Himmel, denn die Forschung braucht Jahre bis Jahrzehnte und die Firmen und Forschungsinstitute sind öffentlich bekannt, die sich mit diesem Thema beschäftigen (unter anderem mal unter Fraunhofer recherchieren). Könnte man auch mal benennen, anstatt sich anonym auf ungenannte Experten zu beziehen. Mit den Experten, die Herr Piel angibt, setzte ich mich gerne auseinander. Er sollte aber die Referenzen nennen und nicht im Anonymen bleiben. Da gibt es bei mir Empfindlichkeiten.

Zur Anschlussrate von 70 Prozent: Vor dem Hintergrund, dass der Anschluss kostenfrei ist, halte ich die Zahl für realistisch bis unterschätzt. Die Wertsteigerung einer Immobilie dürfte die Anschlusszweifler überzeugen. Geld ist nun einmal sexy.

Ja, und dann gab es da noch den scheinbaren Nebensatz, dass Mobilfunkanbieter die Glasfaser brauchen könnten für das Mobilfunknetz der nächsten Generation (5G). Dieses Netz verspricht Mobilfunkverbindungen mit 1Gbit/s und ist auf eine Glasfaserversorgung angewiesen. Schlichte Realität.

Das muss man nicht gut finden vor dem Hintergrund von Elektrosmog und eines Funkmastabstandes von etwa einem Kilometer. Aber das ist ein anderes Thema. Ein Argument für das Netz ist es allemal. Und über die Zukunft des Landkreises reden? Im nächsten Leben.

Arno Freihold, Vietze

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