Online: 07.05.2018 - ePaper: 08.05.2018

Für junge Familien

Betrifft: Artikel "Zuschüsse für Investitionen locken" (EJZ vom 25. April)

Ein neuer Dorfentwicklungsplan liegt öffentlich aus, und alle sind aufgerufen, sich mit Anregungen und Kritik zu beteiligen und Verbesserungsvorschläge zu formulieren. Gut, wenn man einen guten Plan hat. Sehr gut, wenn sich mit dem Plan alle identifizieren und eigene Vorstellungen darin wiederfinden. Das ist fürwahr gemeinschaftsfördernd.

Die Frage ist: Tragen die vorgestellten öffentlichen Projekte wirklich zur Entwicklung der Dörfer bei? Wer gute Straßen baut, wird mehr Verkehr bekommen. Die Zuschüsse machen es möglich, manche Dinge zu verbessern. Kommen auch mehr Kinder in die Dörfer, wenn mehr Spielplätze gebaut werden? Wird eine zukunftsfähige Dorfentwicklung nicht von ganz anderen Faktoren bestimmt? In der Regel erhöhen die Denkmalschutzauflagen die Baukosten um bis zu 50 Prozent. Die öffentlichen Zuwendungen für private Bauvorhaben von 30 Prozent sollen die Mehrausgaben, die durch die Auflagen des Denkmalschutzes entstehen, teilweise abfedern. Die bisher eingereichten 20 Zuschussanträge bringen keine strukturelle Verbesserung, sondern sind überwiegend Erhaltungsmaßnahmen.

Junge Familien finden in den Dörfern keine Mietwohnungen, denn diese gibt es dort fast nie und sind doch so begehrt: Ein idyllisches Umfeld, die Nachbarschaften sind stabil. Es gibt einen Garten, die Kinder können Tiere halten und finden überall interessante Plätze zum Spielen. Die wenigsten jungen Familien können sich diesen Traum leisten. Das gelingt eher nach vieljähriger Berufsarbeit. Aber braucht man dann noch Spielplätze? Junge Leute sind ein Schlüssel einer zukunftsfähigen Dorfentwicklung, und wer junge Leute will, muss für junge Leute Mietwohnungen ausbauen, die den Sehnsüchten der vielen stadtmüden jungen Eltern auch entsprechen.

Wäre es nicht vernünftig, dass die Gemeinden leerstehende Nebengebäude auf Erbpacht erwerben und über eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft nach und nach zu attraktiven Familienwohnungen ausbauen? In diesem Fall könnten bis zu 75 Prozent der Kosten über die öffentliche Förderung abgedeckt werden. So könnte echte Entwick-lungsarbeit geleistet werden: Die Gebäudesubstanz wird erhalten und junge Familien ziehen ins Dorf. Dann machen auch Abenteuerspielplätze im Dorf wieder einen Sinn.

Michael Seelig, Kukate

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