Online: 18.05.2018 - ePaper: 19.05.2018

Tierschutz vor Spaß

Betrifft: Artikel "Sommernachts(alb)traum" (EJZ vom 8. Mai)

"Sommernachts(alb)traum" - für wen eigentlich? Für die Veranstalter, die ihre Mühen bei der Vorbereitung wegen der Auflagen ausweiten mussten? Oder für die lebendige Natur vor Ort? Auf der Titelseite der EJZ vom 8. Mai bedauerte Thomas Lieske die Veranstalter des Minimalsommernachtstraums, weil sie es "immer schwerer" haben durch "neue Auflagen".

Wenn es sich bei den Auflagen um überflüssige, unsinnige, bürokratische Forderungen handelte, könnte ich dieses Bedauern teilen. Die beklagten Auflagen betreffen aber ein hohes Gut: den Schutz von Tieren und Pflanzen im Wald rund um die Blockhütte mitten im Naturschutzgebiet. Ich möchte kein Spaßverderber sein, aber Spaß ist immer nur, wenn keiner leidet. Um das herauszufinden, muss es das Brutvogel-Monitoring geben, das ist keine Schikane.

Es ist toll, für welche Zwecke mit dieser Veranstaltung Spendengeld gesammelt wird. Es ist immer toll, etwas für Schwächere und Benachteiligte zu tun. Deshalb kann es nicht zu "kostspielig" sein, auch etwas für Tiere und Pflanzen zu tun, die meist die Schwächeren und Benachteiligten sind, wenn der Mensch in Massen Spaß haben will.

"Dass es überhaupt erst zu den ganzen Auflagen gekommen war, dafür sorgte offenbar… eine Person…" Das klingt, als hätte eine einzelne Person egoistisch und engstirnig den Partyleuten den Spaß verderben wollen. Aber meist braucht es einen, der als erster den Mund aufmacht, um Schwächere zu schützen, die nicht selbst für ihre Interessen eintreten können.

Da ich selbst nicht diese Person war, die "die Naturschutzbehörde auf die Umstände aufmerksam gemacht… und dem Team… viel Ärger eingehandelt" hat, ist diese Person schon mal nicht allein mit ihrer Einstellung, sondern mindestens zu zweit. Und vermutlich sind wir noch mehr.

Und vermutlich müssten wir auch an anderen Stellen den Mund aufmachen, denn das KLP-Wildcampen in Massen auf Wiesen außerhalb der Ortschaften betrifft genauso Tiere in der Brut- und Setzzeit wie im Starreler Wald.

Ich habe keine Lösung dafür, und ich mag die KLP sehr - aber der Mensch in Massen wird meist zum Problem - und es darf nicht als Anderen-Ärger-Einhandeln beurteilt werden, wenn jemand auf das Problem aufmerksam macht und Lösungen anmahnt. Zum Schutz Schwächerer.

Ulrike Erling,

Clenze

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