Online: 18.05.2018 - ePaper: 19.05.2018

Risiken transparent machen

Betrifft: Leserbrief "Über Lichtleiter denkt niemand nach" von Arno Freihold (EJZ vom 8. Mai) und Artikel "Die Risiken des Netzes" (EJZ vom 19. April)

Herr Freihold hat einen Leserbrief zum Thema Breitbandnetz geschrieben. Ich kann ihm darin zustimmen, dass die für das Breitbandnetz gewählte Technik nach derzeitigem Stand die leistungsfähigste ist. Außerdem ist es sicherlich wünschenswert, allen Bewohnern dieses Landkreises den Zugang zu breitbandigen Internetdiensten zu ermöglichen. Der Artikel von Herrn Piel befasste sich jedoch vorwiegend mit den wirtschaftlichen Risiken des Projektes. Wenn Herr Arnold schreibt, Kritik ist unsinnig, wenn keine Alternativen genannt werden, kann ich dem nicht folgen. Wenn die Risiken zu groß sind, muss man auf das Projekt verzichten.

Kommen wir zu den Risiken dieses Projektes. 1. Vertragssicherheiten: Der Landkreis investiert einige zehn Millionen Euro in dieses Projekt und verpachtet das Netz an die NGN TELECOM GmbH. Bei einem Stammkapital der NGN von 75000 Euro kann ich nicht erkennen, wie der Pächter damit für einen Pachtvertrag geradestehen kann, der einen Barwert von mindestens zehn bis 20 Millionen Euro haben muss, wenn er denn eine Amortisation der Investition in das Breitbandnetz darstellen soll. Alles hängt vom wirtschaftlichen Erfolg der NGN ab. Herr Piel berichtet, dass es zusätzlich eine Vertragserfüllungsbürgschaft gibt, deren Höhe nicht bekannt ist.

2. Amortisationszeit: Wenn ein Projekt auf 40 Jahre gerechnet wird und wir die technischen Entwicklungen eines solchen Zeitraums nicht vorhersehen können, dann sollte man das in der Risikoanalyse als Risiko berücksichtigen und bewerten.

3. Anschlussdichte: Dass sich 70 Prozent der Hauseigentümer finden, die sich den kostenlosen Hausanschluss legen lassen, halte ich auch für möglich. Damit ist aber nur der passive Anschluss hergestellt. Die Pacht für das Netz hängt offenbar auch von der Anzahl der Kunden ab, die NGN für die aktive Anschaltung und die Nutzung ihrer Dienste gewinnen kann. Davon hängt wiederum der Erfolg von NGN ab und damit die Hoffnung, dass NGN dauerhaft die Pacht zahlen kann.

4. Konkurrenzprodukte: Herr Piel erwähnt, dass Mobilfunkunternehmen Interesse an der Nutzung des Breitbandnetzes haben. Woher kommt dieses Interesse? Sie können Mobilfunkknoten in den erschlossenen Orten installieren und sie preiswert breitbandig anbinden. Damit lohnen sich jetzt LTE-Dienste in diesen Gebieten, die eine Konkurrenz für das Breitbandangebot der NGN darstellen. Das kann man schlecht finden, aber es wird unvermeidbar sein. Das sind einige der offensichtlichen Risiken. Jeder seriöse Investor erstellt eine Risikoanalyse und bewertet die Risiken. Wer eine für diesen Landkreis sehr hohe Investition veranlasst, ohne diese Risiken bewertet zu haben, handelt meines Erachtens sehr unvorsichtig. Den Bürgern, zumindest aber den Mitgliedern des Kreistages, sollten diese Risiken transparent gemacht werden.

Gerhard Pidd, Fulda

Gerhard Pidd ist der im erwähnten Artikel zitierte Experte

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