Online: 28.05.2018 - ePaper: 29.05.2018

Ironisches Polit-Happening

ZoomAls ironisches Polit-Happening wertet Leserbriefschreiber Hansl Sauerteig den Polizeieinsatz in Hitzacker gegen den Protest vor dem Wohnhaus eines Polzisten.

Betrifft: EJZ-Berichterstattung über Polizeieinsatz in Hitzacker

Erstmal zwei Fakten. Fall 1: Ende Februar umstellen etwa 80 vermummte, schwarz gekleidete und mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer und Frauen ein Grundstück, stürmen dieses dann und entwenden ein beschriftetes Bettlaken. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich eine Gastfamilie mit zwei Kindern und einige andere Personen in dem Haus.

Fall 2: Mitte Mai stellen sich etwa 60 Personen, zum Teil vermummt, auf den öffentlichen, mit einer Sitzbank versehenen Wendeplatz vor dem Haus des hiesigen Staatsschützers. Dort werden vier Musikstücke gespielt. An die Holzwand eines Carports werden mit einem Tacker drei Fahnen befestigt, eine weitere Fahne an einer Holzstange an einem Baum vor dem Grundstück. Danach sind alle Personen mindestens 20 Meter von dem Haus entfernt auf öffentlichem Grund. Eine herbeigeeilte Polizeistreife sieht keinen Anlass einzugreifen. Es ergeht keinerlei Aufforderung. 20 Minuten später entfernen sich alle Personen. Nach etwa 500 Metern rasen einige Wannen heran, Polizisten in voller Kampfmontur springen heraus und brüllen, schlagen, treten Menschen in brutalster Weise zu Boden und fesseln einige.

Die Aktion vor dem Haus war als ironisches Polit-Happening gedacht, hatte aber auch den Hintergrund, dass Brecht einmal sagte, das Unrecht hat Namen und Adresse. Wenn dieser Herr meint, mit 80 Vermummten bei uns YPG-Fahnen einsammeln zu müssen, haben wir gar kein Problem damit, ihm diese zu Hause vorbeizubringen und sogar noch ein Ständchen dazu. Wenn jetzt von einer beispiellosen Eskalation der Gewalt gesprochen wird, stimme ich zu, und die an der Aktion beteiligten Beamten sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Wir können in diesem Fall ja kaum als gewalttätig bezeichnet werden, haben wir doch weder das Haus betreten, noch irgendetwas beschädigt, noch jemanden bedroht. Die Gewalt geht seit Jahren klar von der Polizei aus, ob bei Castor-Transporten oder bei anderen Anlässen. Es ist nicht das erste Mal, dass Polizisten in unangemessener Weise reagieren. Auffällig ist auch, dass vor allem in jüngster Zeit Polizei-Presseerklärungen solche Vorfälle vollkommen verdrehen und mit den tatsächlichen Abläufen überhaupt nicht übereinstimmen. So wird eine beispiellose Hetze gegen systemkritische Menschen, Flüchtlinge und andere, die sich nicht den absoluten Verwertungsprozessen des Kapitalismus unterwerfen wollen, erzeugt. Immer mehr Menschen entziehen sich dem, und der Staat weiß sich nicht anders zu helfen, als Überwachung und Repression weiter auszubauen. Und dieser Staatsschützer ist dabei eine absolut treibende, aggressive und provokative Person. Bei der Frau des Polizisten und den Kindern möchte ich mich entschuldigen, wenn wir Ihnen einen Schrecken eingejagt haben. Das war nicht unsere Absicht. Hans-Erich Sauerteig, Meuchefitz

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