Online: 06.07.2018 - ePaper: 07.07.2018

Was hat die SPD angetrieben?

Betrifft: Schulpolitik in der Samtgemeinde Lüchow

Der Bestand der Schulen in Trebel und Küsten ist gesichert. Das ist eine gute Nachricht. Trotzdem scheint es mir sinnvoll und notwendig, dass Verhalten und die Argumente vor allem der SPD-Fraktion im Lüchower Samtgemeinderat noch einmal zu betrachten.

Was hat die SPD angetrieben, den längst gefassten Beschluss zum Erhalt der Schulen in Küsten und Trebel zu hintertreiben - und damit übrigens auch das Versprechen, das den Eltern und den Kindern der Grundschulen Plate und Woltersdorf gegeben wurde, ohne Scham brechen zu wollen? Es geht, so argumentierte Gudrun Bölte, ums Geld. Konkret geht es vor allem um einmalige Investitionskosten. Die SPD betrachtet das Thema Bildung also rein betriebswirtschaftlich. Es ist ja inzwischen Mode geworden, die öffentliche Daseinsvorsorge nur noch nach betriebswirtschaftlichen Aspekten zu betrachten, siehe Privatisierung des Gesundheitswesens oder die unsinnige, von der EJZ angestoßene Diskussion um das Stammkapital des zukünftigen Betreibers des Breitbandnetzes.

Aber wenn man - wie die SPD - schon anfängt, die Wirtschaftlichkeit von Schulen zu betrachten (was für eine früher mal linke Partei an sich schon ein Armutszeugnis ist), dann sollte man wenigsten die Zahlen richtig kennen, denn Äpfel und Birnen geben zusammen ein leckeres Kompott, aber wirklich nie eine korrekte Rechnung. Dankenswerter Weise erinnerte Wolfgang Kallen von der SOLI daran, dass die Einsparungen im Bereich Investitionen und jährlicher Unterhalt durch die Schließung von vier Grundschulen zu einem großen Teil die Kosten für den Neubau in Küsten decken würden.

Und würden sich die Abgeordneten, die gegen den Erhalt der Schulen gestimmt haben, mal die Mühe machen, das Ganze volkswirtschaftlich zu betrachten, hätten sie ihr Nein vielleicht noch einmal überdacht. Die Kosten für den Schülertransport würden steigen, wenn mehr Kinder nicht mehr wohnortnah, sondern zentral in Lüchow zur Grundschule fahren müssten. Längere Fahrtzeiten führen schon bei Schulkindern zu Pendlerstress (nachzulesen z. B. in einer Langzeit-Studie des Forschungszentrums Demografischer Wandel (FZDW) der Frankfurt University of Applied Sciences). Die Folgen sind unter anderem mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Einschränkungen in der Gesundheit. Beides Faktoren, die früher oder später auch wieder Geld kosten. Mal abgesehen davon, dass viel (Steuer)-Geld in den Versuch fließt, Fachkräfte und/oder junge Familien in den Landkreis zu locken. Da ist die Zerstörung von schulischer Infrastruktur mehr als kontraproduktiv. Und - letzter Punkt in einer langen Reihe: Seriösen Prognosen gehen von steigenden Schülerzahlen in den kommenden Jahren aus. Sollten die erwähnten Projekte erfolgreich sein, dürfen wir auch in unserem Landkreis auf mehr statt weniger Schüler hoffen.

Also, liebe SPD - es ist ja gar nicht schlimm, nicht über den eigenen Tellerrand zu blicken, aber man könnte ja vielleicht einen etwas größeren Teller benutzen. Markus Wölk, Lüchow

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