Online: 13.07.2018 - ePaper: 14.07.2018

Gleichstellungsbeauftragten fehlt Kompetenz

Betrifft: Artikel "Auch Tagespflege beitragsfrei" (EJZ vom 28. Juni)

Das Jugendamt des Landkreises ist unterbesetzt. Schon 2011 fragte ich die damalige Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock unter anderen nach der Erfüllung der gesetzlichen Pflichtaufgaben im Jugendamt, weil mir erhebliche Mängel in psychosozialen und sozialpädagogischen Handlungsweisen aufgefallen sind. Gleichzeitig erläuterte ich ihr die Mängel in der kommunalen Seniorenarbeit. Sie interessierte sich weder für die Notlage von Familien und alleinerziehenden Müttern mit Kindern noch die mangelhafte Seniorenarbeit. In der Ausgabe der Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 28. Juni war nach einem erstellten Gutachten zu lesen, dass mehr Stellen für das Jugendamt eingefordert werden, um den gesetzlichen Ansprüchen zu genügen. Soweit so gut. Aber aus der christlichen Partei im Kreistag kommt ein Nein. Diese Entscheidung ist nicht nachvollziehbar, da Hilfe und Verständnis für die betroffenen Familien und alleinerziehenden Müttern mit Kindern oberste Priorität haben müssen.

Vier Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis bei einer Einwohnerzahl von nur rund 48000 bemerken nicht die über mehrere Jahre bestehenden Probleme im unterbesetzten Jugendamt? Die Gleichstellungsbeauftragten verschwinden schnell in den Mauselöchern des Gemeinwesens, sobald in Notsituationen Unterstützung für Hilfsbedürftige gefordert ist, um dies im Kreistag nachhaltig vorzutragen. Offensichtlich fehlt den Gleichstellungsbeauftragten die fachkompetente Wahrnehmung eines Aufgabenbereiches, der ihnen fremd ist. Der Landkreis steht in der Pflicht, durch Personalaufstockung dem fachlichen Mangel im Jugendamt abzuhelfen. Ich bemerke mit Besorgnis, dass sich die soziale Infrastruktur des Landkreises nicht verändert.

Der demografische Wandel hat Senioren zu einer leistungsstarken und mobilen Gruppe in der Gesellschaft gemacht. Die intellektuellen Veränderungen ihrer Lebenswelt lassen sie noch im hohen Alter mitten im Leben stehen. Die Kommune kommt den damit einher gehenden zukunftsorientierten Anforderungen nicht nach. Es darf nicht sein, dass der Landkreis weiter einen Seniorenstützpunkt mit einer Seniorenbegleiterin ohne Basiswissen ausstaffiert, die nur im Schnelldurchlauf bei der Kreisvolkshochschule einen Kurs absolviert hat. Hochglanzbroschüren sind nicht das geeignete Mittel, um über Mängel der professionellen Erfordernisse hinweg zu täuschen. Vernachlässigte Seniorenarbeit trägt nicht zur Qualitätssicherung der Kommune bei.

Wenn ich mir die Palette der ehrenamtlichen sozialen Hand-langer der Samtgemeinde Gartow ansehe, frage ich mich, wer trägt die Verantwortung für die Einwohner, die soziale Dienste in Anspruch nehmen möchten? Es sind keine Ansprechpartner vorhanden, die auf Augenhöhe verlässliche, fachlich fundierte Gespräche und Beratungen anbieten.

Durchweg sind dies von den Parteien aus der Samtgemeinde heraus gepickte Personen, die für die Aufgaben bestimmt werden. Sie haben weder fachliche Qualifikation, noch ausreichende praktische Erfahrung.

Iris-Isolde Mier, Prezelle

Diplom-Sozialarbeiterin

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