Online: 27.07.2018 - ePaper: 28.07.2018

Schwurbelig

Betrifft: Artikel "Zurück zur Sachlichkeit" (EJZ vom 21. Juli)

Nun warnt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer "Verwahrlosung" der Sprache und bekennt, "dass es zwischen Denken, Sprechen und Handeln einen großen Zusammenhang gibt". Wer möchte ihr in dieser trivialen Erkenntnis widersprechen? Doch muss sie sich gefallen lassen, dass man ihr eigenes Verhalten an ihrem Ausspruch misst. Erst kürzlich sprach sie von "flexibler Solidarität", die man (im Zusammenhang mit Flüchtlingen) entwickeln müsse. Man beachte: Sowohl "flexibel" als auch "Solidarität" sind positiv besetzte Wörter, die Kombination aber ist ähnlich widersinnig wie "sporadische Pünktlichkeit". Sprache existiert nicht für sich, sondern entwickelt sich als ständiger Prozess in Rede und Gegenrede der Mitglieder einer Sprachgemeinschaft. Grundlage einer echten Kommunikation ist der Wunsch nach gegenseitigem Verstehen und die Ausräumung von etwaigen Widersprüchen.

Ganz anders ist die gegenwärtige Praxis in der Politik. Es geht den Akteuren, speziell auch der Kanzlerin, immer nur um den mehrheitsheischenden Anschein. Dies belegen jüngst erfolgte krasse Wendemanöver in der Energiepolitik, in der Klimapolitik und in der Flüchtlingspolitik. Es wird zwar immer laut nach Sachlichkeit gerufen, aber wirkliche Debatten, auf der Grundlage überprüfbarer Argumente, finden nicht statt. Zumindest nicht im Bundestag, wo der angemessene Ort wäre.

So wird sich denn der Zusammenhang zwischen Denken, Sprechen und Handeln auch in Zukunft bewahrheiten: Wo schwurbelig-unbestimmt geredet wird - nach der Einschätzung internationaler Journalisten ein Kennzeichen Merkelscher Politik - , da kann sich keine klare Politikrichtung herausbilden, und alle Probleme bleiben ungelöst. ↔Johann E.P. Strauß, Leisten

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