Online: 03.08.2018 - ePaper: 04.08.2018

Total abgehängt von Lebenswirklichkeit

Betrifft: Umfrage des Projekts "Kontextcheck"

Für Ewiggestrige ist der Landkreis Lüchow-Dannenberg eine ideale Heimstatt. Hier gibt es keine nennenswerten Ereignisse, die die Aufmerksamkeit auf sich lenken könnten. Eine Befragung‚ wie Menschen im Landkreis älter werden möchten im Rahmen eines Projektes "Kontextcheck" in Anlehnung an die Gesundheitsregion Lüchow-Dannenberg im Kreishaus hat ein fragwürdiges Ergebnis ohne neue zukunftsträchtige Überlegungen präsentiert. Von den Bürgermeistern in 27 Gemeinden sollten 540 Fragebögen auf rund 48000 Einwohner in 27 Gemeinden verteilt werden: 20 Fragebögen für jede Gemeinde. Nur "etwas mehr als ein Viertel" der Fragebögen fanden sich wieder im Rücklauf. 32 Workshop-Teilnehmer versuchten den Landkreis nach ihrem Gutdünken positiv darzustellen. Das lief daneben.

Da stellt sich die Frage: Wer durfte die Fragebögen bearbeiten? Landeten die nicht im Rücklauf befindlichen Fragebögen in den Papierkörben der Bürgermeister? Mir ist kein Fragebogen begegnet. Ich wohne in einem Dorf, das ziemlich zurückgeblieben ist. Auch neue Ideen können hier nicht gedeihen. Insgesamt ist der Landkreis wirtschaftlich und sozial total abgehängt von der heutigen Lebenswirklichkeit. Insbesondere seniorenpolitische Möglichkeiten kommunaler Daseinsvorsorge versagen, obwohl gesellschaftliche Entwicklungen ungeahnte Ressourcen hervorbringen könnten. Die Kommune hat sich zukünftig vielfältigen Herausforderungen zu stellen, denen sie gerecht werden muss.

Der Landkreis ist gut beraten, wenn er sich mit dem Modell der "integrierten Sozial- und Finanzplanung" beschäftigt. Angekündigt wurde das bereits in der EJZ vom 7. Februar 2018. Andernorts gibt es schon über Jahre erprobte Konzepte, die die Bedarfsstrukturen älterer Menschen zur gesellschaftlichen Teilhabe fördern und erhalten. Die erprobten Modelle sind für einige Jahre von den Landesministerien finanziell abgesichert. Weil der Landkreis keine soziale Infrastruktur besitzt, ist es längst an der Zeit, hier das Gesamtkonzept der integrierten "Sozial- und Finanzplanung" vorzustellen.

Die "integrierte Sozialplanung" richtet sich unmittelbar auf das Lebensumfeld der Menschen in Kommunen und bezieht im Rahmen eines integrierten Planungsvorgehens sämtliche Alters- und Lebensbereiche mit ein. Das bedarf einer sorgfältigen Sozialraumanalyse und beansprucht professionelle Gewährleistung. Es ergeben sich daraus drastische Veränderungen in der fachlichen Stellenplanung, um die "integrierte Sozialplanung" sicherzustellen und sich den gesetzlichen Gegebenheiten anzupassen. Sinn macht es, die fachlichen Vorschläge und Überlegungen dazu im Auge zu behalten und eine besondere "Fachstelle" zu befürworten. Gegenwärtige Konstellationen im Helferstatus werden keine positive Planungsprozesse zulassen. Erarbeitete innovative Handlungsansätze müssen von Fachkräften in der sozialen Planung umgesetzt werden, um den fachlichen Diskurs zu intensivieren.

Iris-Isolde Mier, Prezelle

Diplom-Sozialarbeiterin

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