Online: 17.08.2018 - ePaper: 18.08.2018

Für ein Ende der Konsumkultur

Betrifft: Klimawandel

Sommer 2018: katastrophale Dürren und Hitzerekorde in ganz Europa, ausgetrocknete Flüsse, sterbende Bäume, leidende Tiere, kollabierende Menschen. "Selbstverbrennung", so der Titel eines Buches zum Klimawandel in seinen Auswirkungen auf den Menschen von Prof. Schellnhuber, Präsident des Klimaforschungsinstituts in Rostock. "Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste", so die Prophezeiung des Indianerhäuptlings Seattle im Jahre 1854 in Anbetracht der Industrialisierung und der Landnahme weißer Siedler. Diese Prophezeiung ist dabei, Wahrheit zu werden. In diesem Sommer ahnen wir etwas von dem, was auf uns noch zukommen wird. Mit einer Wachstumsgesellschaft, ihrem Hunger, ihrer Gier nach ständig mehr, wird es uns nicht gelingen, das angestrebte Klimaziel zu erreichen, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Wir sind weit davon entfernt. Aktuell sprechen Wissenschaftler sogar von einer "Heißzeit" mit einer möglichen Erderwärmung von bis zu fünf Grad Celsius, einhergehend mit apokalyptischen Folgen für den Menschen, was umso wahrscheinlicher wird, je mehr wir uns vom zwei Grad Celsius Klimaziel entfernen (Auftauen von Permafrostböden und so weiter).

Es ist die Industrie mit der Produktion von Konsumgütern, es ist die Mobilität, es ist die Landwirtschaft, die über ein verträgliches Maß hinaus mit ihren Treibhausgasen das Klima anheizen. So fordern Zukunftsforscher eine radikale Abkehr vom maßlosen Konsum und ein sich Begrenzen auf Güter, die zum Leben unbedingt notwendig sind. Kreuzfahrtschiffe, Ausdruck absoluten Luxus' und absoluter Maßlosigkeit, belasten mit ihren Emissionen in unglaublichem Maß das Klima. Sie gehören stillgelegt.

Der Flugverkehr muss drastisch verringert werden. Es ist zu prüfen, welcher Flugverkehr noch zu verantworten ist. Reduzierung von Treibhausgasen durch autofreie Sonntage, Herstellung weniger, ausschließlich kleinerer Pkw mit geringerem CO2-Ausstoß und Ausbau eines kostenfreien ÖPNV, mehr Fahrradstraßen statt Autostraßen. Die industrielle Landwirtschaft mit ihrer Massentierhaltung muss schnellstmöglich vollständig umgestellt werden auf eine ökologische Landwirtschaft, einhergehend mit drastischer Reduzierung der Fleisch- und Milchproduktion.

Alles nicht machbar, so urteilen wir aus unserem gewohnten Denken heraus. Doch wir brauchen ein neues Verständnis vom Leben. Eine grundlegende, radikale Änderung im Denken und Handeln ist unerlässlich, denn es geht um die lebenswerte Zukunft und das Überleben unserer aller Kinder und Kindeskinder. Und die Zeit rennt. In den etwa drei kommenden Jahrzehnten entscheiden wir mit unserer Lebensweise über die Lebensbedingungen aller kommenden Generationen, die nach uns leben. Vielleicht entsteht eine Ethik der Selbstbegrenzung als eine neue Form von Lebensqualität.

Hermann Klepper, Banzau

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