Online: 24.08.2018 - ePaper: 25.08.2018

Bewegung aus der Mitte sollte Probleme angehen

Betrifft: Diskussion zur Links-Bewegung Sahra Wagenknechts

Ich denke, dass eine Gerechtigkeitsdebatte hinsichtlich einer sozialen Ungleichheit in der deutschen Gesellschaft dringend notwendig ist. Die Frage ist, ob sie von einer ideologisch belasteten linken Gemeinschaft ausgehen sollte. Das Problem der ungleichen Verteilung des Bruttoinlandsproduktes kann auch aus einer Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft angegangen werden. Die soziale Marktwirtschaft wurde von Herrn Müller-Armack "erfunden" und vom Altkanzler Ludwig Erhard umgesetzt. Dies ist keine Präferenz für die CDU. Aber die Regeln der sozialen Marktwirtschaft gegenüber der freien Marktwirtschaft (ungezügelter Kapitalismus) wurden missachtet. Dies zeigen die Folgen der Finanzkrise und die Ursachen dieser in 2008 in eindeutiger Weise. Einige Vorschriften für die Banken wurden hinsichtlich der Investment-Banker verschärft. In den USA wurden sie durch Trump teilweise wieder aufgehoben. Mit anderen Worten ausgedrückt, das Casino der Anleger ist nach wie vor weit geöffnet. Eine neue Weltfinanzkrise ist nicht ganz ausgeschlossen. Leiden tun darunter nicht die Finanzanleger, sondern die kleinen Leute.

Ursachen einer derartigen Entwicklung auf den Finanzmärkten ist die Tatsache, dass mit Anlagen im Investmentbereich viel mehr Geld verdient werden kann als in der Realwirtschaft. Dies heißt, dass ein Anleger mit Spekulationen und Optionsgeschäften leichter Geld verdienen kann als mit der Vergabe von Krediten für die Realwirtschaft (z. B. ein Kredit für Jungunternehmer oder Unternehmer überhaupt). Zu diesen Anlegern gehören natürlich auch die Banken selbst (sogenannte Eigengeschäfte). Wer im Investmentbereich investiert, muss sich auch nicht mit Businessplänen und Bilanzen der Unternehmen "herumärgern".

Die Entwicklung der Kurse wird überwiegend Algorithmen (also Software) überlassen, und dies birgt Risiken. Die Mitte einer Gesellschaft ist für den Zusammenhalt einer Gesellschaft unerlässlich. Die wird gerade durch die Globalisierung und das Finanzgebaren zerstört. Dies hat unweigerlich auch Auswirkungen auf die Ärmsten der Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der es nur allenfalls 25 Prozent der Gesellschaft gut geht, ist keine Gesellschaft, die Bestand haben kann.

Der Kapitalismus ist zweifellos die erfolgreichste Wirtschaftsform für die Herstellung eines Massenwohlstandes. Die bösartige und gesellschaftswidrige Form dieses Wirtschaftens wird derzeit nicht ausreichend kon-trolliert. Beide Volksparteien sind derzeit sehr zerstritten. Eine Strategie ist von denen, vor allem im Hinblick auf eine Antwort in Sachen Digitalisierung der Wirtschaft (gemeint ist hier nicht der Breitbandkabelausbau allein), die weitere Arbeitsplatzverluste erwarten lässt, nicht zu erwarten. Warum sollte also eine Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft, genau in der Mitte zwischen CDU und SPD, die Probleme nicht genauso angehen können wie eine links eingefärbte Wagenknecht-Bewegung? Ich rufe dazu hiermit auf. Wirtschaft ist wichtig, aber hier geht es um den ärmeren Teil der Bevölkerung.

Jürgen Bosse,

Lüchow

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