Online: 24.08.2018 - ePaper: 25.08.2018

Damwildgatter: Ein Bild des Jammers

Betrifft: Artikel "Aus für das Gatter" (EJZ vom 14. August)

Seit Jahren siecht eine überbesetzte Damwildpopulation hinter Draht vor sich hin. Niemand bemerkt es, niemand schaut etwas genauer hin. Damwild ist eine Wildart für offene Parklandschaften, eine Zier auf weitläufigen Wiesenflächen mit Wasser. Eine Augenweide für alle Menschen, groß und klein. Eine solche schön anzusehende Wildart sieht man hinter Zaun am Ortsrand der beschaulichen Kleinstadt Hitzacker. Das eingezäunte Damwild hat noch nie, seit es da leben muss, eine grüne Wiese gesehen. Die Tiere verbringen ihr Dasein unter älteren Rotbuchen auf betonhart versiegeltem Waldboden, übersät mit trockenen Ästen und Falllaub. Dort wächst nicht ein grüner Grashalm. Es fehlt wirklich alles. Dass dort Muttertiere ihre Jungen setzen müssen, ist nicht in Worte zu fassen. Oder doch: ein Bild des Jammers.

Ein touristischer Anziehungspunkt war diese stinkende Einöde nie. Für total Naturentfremdete scheint es möglich. Dass ein solches Gatter nun endlich fallen soll, ist für das darin befindliche Damwild eine Erlösung. Der Heilige Franz von Assisi hatte hier wohl seine Hand im Spiel gehabt, als er dieses Elend ganz von oben gesehen hat. Wahrlich ein Triumph für ihn, die Tierquäler abziehen zu sehen, leider ungestraft.

Hitzacker, die Bürgermeister samt aller Räte, beweisen nicht zum ersten Mal, wie absolut unfähig sie sind, beherzt und schnell zu handeln und jahrelanges Tierleid zu beenden. Sie hatten unendlich viel Zeit, einen unhaltbaren Zustand ins Positive zu wandeln. Ausgewogene, kreative, machbare und umsetzbare Vorschläge gab es zur Genüge. Die "Privatperson", die das ihr anvertraute Wild "pflegen" sollte, war ein Totalausfall. Dies auch noch mit 3900 Euro pro Jahr zu "entlohnen", schlägt dem Faß den Boden aus. Wo blieb der Erlös für das Wildbret der erlegten Tiere? Viele Fragen tun sich da auf. Das bisher in diesem Gatter gehaltene Damwild muss beileibe nicht geschossen und geschlachtet werden. Es gibt vielerlei Möglichkeiten, es art- und tierschutzgerecht umzusiedeln. Profis am Narkosegewehr gibt es. Wurde übrigens je eine verantwortungsbewusste Person vom Tierschutz, BUND, Nabu, Landesforsten, Biosphärenreservatsverwaltung, Polzei etc. am Damwildgatter gesichtet? Das Ende des widerwärtigen Gatters könnte der Anfang sein, endlich hin- und nicht wegzusehen. Für Mensch und Tier wäre das im wahrsten Sinne ein Segen.

Reinhard Heck,

Hitzacker

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