Online: 07.09.2018 - ePaper: 07.09.2018

Zu viel Einfluss für Kita-Fachkräfte?

Betrifft: Erlebnis in der Kindertagsstätte Lemkihaus

Das Lemkihaus ist eine kleine Kindertagesstätte (Kita) im Lemgow mit zwei Betreuungskräften für zehn Kinder. Die Kita wird durch einen Trägerverein der Elternschaft organisiert. Soweit hört sich die Beschreibung der Kita für mich erst einmal sehr gut an. Allerdings hat auch das Lemkihaus mit dem anhaltenden Personalmangel zu kämpfen. So ergab es sich im vergangenen Halbjahr sogar des Öfteren, dass die leitende Erzieherin ihre eigene Tochter als zweite Betreuungsperson mitbrachte. Ich selbst war Mutter zweier Kinder im Lemkihaus, vielleicht keine ganz einfache, aber eine sehr engagierte Mutter. Als bei einem Gruppenausflug der Kita ein Zwillingspaar und ein weiteres Kind bewusst hinter dem Rücken der dazugehörigen Eltern ausgeschlossen wurden, beschwerte ich mich bei der nächsten Elternversammlung darüber. Kurz darauf verweigerte die leitende Erzieherin morgens die Übernahme meines Sohnes, weil sie - so wörtlich - "keine Zeit für ein bockendes Kind" habe. Daraufhin bat ich die erste Vorsitzende des Trägervereins um ein Gespräch mit Vorstand, leitender Erzieherin und mir. Dieses Gespräch fand auch statt. Allerdings wurde meinem Sohn dort der Betreuungsvertrag gekündigt. Mein anderer Sohn wechselte ohnehin in die Grundschule. Es gab dafür keinerlei Vorwarnung oder Krisengespräche mit mir. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Kündigung wurde von der ersten und der zweiten Vorsitzenden ausgesprochen, für deren Kinder ich mich mehrfach eingesetzt hatte.

Nun wurde mir, wie in einem kleinen Dorf üblich, von mehreren Personen zugetragen, die leitende Erzieherin habe - um ein Exempel zu statuieren - die beiden Vorsitzenden vor die Wahl gestellt, ob meinem Kind die Betreuung aufgekündigt wird oder sie die Kündigung ihrerseits einreichen würde. Ich finde das äußerst besorgniserregend. So ergibt die Kündigung für mich jedoch einen Sinn, den ich bis dahin nicht gesehen habe. Gibt der Erziehermangel also den wenigen Erziehern eine Macht, die dazu führt, dass sie selbst entscheiden, welche Kinder sie betreuen und welche nicht?

Ann-Kathrin Wiegreffe,

Puttball

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