Online: 07.09.2018 - ePaper: 07.09.2018

Glasfaser statt Öl fördern

Betrifft: Breitband-Initiative

Das Wendland ist ein wirklich schönes Fleckchen Erde. Naturschutzgebiete, kleine schicke Dörfer, gutes Wasser, ideal, um Kinder großzuziehen, und genug Platz für Menschen, die genau so etwas suchen. Es gibt zwei Haken, die das Leben hier einschränken und es jungen Familien oder Firmen nicht eben schmackhaft machen, sich hier anzusiedeln.

Extrem lahmes Internet auf den Dörfern ist ein Punkt. Das Glasfasernetz, das im Wendland gebaut werden soll, ist ganz entscheidend für unsere Zukunft hier. Aber neueste Meldungen machen Angst, dass das Projekt doch an den Kosten scheitert, die jetzt nochmal um 27 Millionen Euro gestiegen sind. Wir im Lemgow gehören zum letzten Cluster, und ich habe meine Zweifel, ob das Geld für den Ausbau "bei derartig galoppierenden Preissteigerungen" bis zur Beendigung reichen wird. Wie kommt eine solche Kostensteigerung in so kurzer Zeit zustande? Hängt das wirklich nur mit dem Gewinnstreben einzelner zusammen?

Ich habe vier Töchter, für die ich gern eine Chance sehen würde, hierher zurückzukommen oder hier zu bleiben. Da bin ich sicher nicht die Einzige. Dafür brauchen wir aber schnelles Internet - und unverseuchte Böden und Trinkwasser, womit wir beim zweiten Punkt sind. Gerade wurden wir über die Ölförderabsichten der Firma GET informiert, die im Aufsuchungsgebiet Prezelle gern Böden, Luft und Wasser verseuchen möchte. Laut Bergbaugesetz von 18eppes und 1934 hat die Förderung dieser Rohstoffe Vorrang - auch vor Gesundheit und Wohlergehen der Menschen, die hier wohnen? Und das ist schon mal sicher: Von den "Aufsuchern" wohnt hier keiner.

Sicher ist, wenn das Projekt Glasfaser in die Grütze geht, wird sich in den nächsten 20 Jahren niemand mehr aufraffen, es neu zu versuchen. Und wenn im Wendland Öl gefördert werden darf, geht die Lebensqualität den Bach runter und Ländereien und Gebäude verlieren an Wert. Wenn es richtig schiete läuft, werden wir Erdbebengebiet mit verseuchten Böden.

Was also können und müssen wir tun? Ich bin bereit, meinen Beitrag zu leisten. Auf meinem Land wird nicht gebohrt, und beim Glasfaserausbau kann man vielleicht mit Gemeindearbeit Kosten einsparen. Ich bin bereit zu buddeln, oder für die, die buddeln, zu kochen - da muss doch was gehen.

Zum Schluss noch eine Einladung an all unsere gehetzten Politiker, die ihr Wahlversprechen, den Ausbau des Glasfasernetzes zu verwirklichen, schon fast wieder vergessen haben und eine Grenzerfahrung brauchen. Kommt zu uns nach Schletau und macht eure Arbeit mit unserem Wlan und unserem Mobilfunknetz. Zimmer und Frühstück gibt es kostenlos.

Kirsten Longmuss, Schletau

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