Online: 10.05.2011

Betrifft: Tiermast Nun ist er da. Der lange angekündigte »Tierschutzplan» vom niedersächsischen Landwirtschaftsminister Lindemann. Dass sich die Praktiken der Mäster nun auf einen Schlag ändern, ist zu bezweifeln.

»Tierschutzplan» ein Alibi der Politik

Festzuhalten bleibt, dass die jetzige Situation in deutschen Mastanlagen nicht dem Tierschutz und nicht der Vorstellung der Bevölkerung von einer artgerechten Tierhaltung entspricht. Ansons-ten bräuchte es diesen »Tierschutzplan» nicht. Das Leben der Nutztiere wird sich auch durch die angekündigten Maßnahmen, sollten diese in einigen Jahren umgesetzt werden, kaum ändern. Da immer mehr Menschen in der Bevölkerung erkannt haben, dass in deutschen Mastanlagen katastrophale Zustände herrschen, bedarf es einer Beruhigung und Beschwichtigung. Amputieren von Schnäbeln, Kastrieren ohne Betäubung, Halten von Enten ohne Zugang zu Wasser, Besatzdichten von bis zu 26 Tieren pro Quadratmetern, das Züchten von Turbohühnern und Turbomilchkühen und das Schreddern und Vergasen von falsch-geschlechtlichen Küken gehören seit Jahren zum Alltag in der industriellen Massentierhaltung. Es wird von den industriellen Tiermäs-tern praktiziert und von der Politik toleriert, obwohl viele Praktiken den Tieren ein leidvolles Leben und einen schmerzhaften Tod bescheren. Tiere in der Lebensmittelindustrie werden unter dem Gesichtspunkt der Profitmaximierung systematisch ihrer natürlichen und artgerechten Lebensweise beraubt, um mit minimalem Aufwand kos-tengünstiges und minderwertiges Fleisch zu erzeugen. Dieses fängt bei der Züchtung an und hört beim Schlachten am Fließband auf.

Der von Herrn Lindemann vorgestellte »Tierschutzplan» bleibt ein Alibi der Politik, er täte besser daran, den Tieren zu einer Haltung zu verhelfen, die uns als Gesellschaft nicht länger beschämen muss.

Marc Bohlmann, Bösel

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