Online: 31.05.2011

Zum Leserbrief »Kühe ohne Lebensfreude» von Hannes Dörr, Gülden (EJZ vom 13. Mai) Verantwortlich für solch riesige Ställe ist der Verbraucher, der zu jeder Jahreszeit jedes Produkt in gleicher Qualität und zu günstigem Preis konsumieren will. Das ist nichts Neues.

Manche Pferde ohne Lebensfreude

Und dass Kühe nicht mehr überall auf die Weide kommen, liegt unter anderem an der angestrebten immer gleich hohen Milchleistung mit berechenbaren Inhaltsstoffen, was eine standardisierte Fütterung verlangt.

Hannes Dörr ist ein bekannter Distanzreiter und erfahrener Pferdehalter mit artgerechter Haltung, was in unserem Landkreis zum Glück häufig der Fall ist. Ihm hätte etwas an seiner Argumentation gegen Massentierhaltung auffallen müssen. Ich bin der Meinung, dass der Fokus mal von der Massentierhaltung auf die Sport- und Freizeittierhaltung gelenkt werden sollte. Insbesondere auf die Pferde.

Er hat für die Milchkühe im modernen Stall eine Netto-Stand-Fläche von drei mal drei Metern ausgerechnet. Sie können sich frei bewegen, haben Sozialkontakte, bequeme Liegeflächen, können eine Rangordung ausbilden und ihren Bedürfnissen nach Bewegung und Futteraufnahme frei nachgehen.

Jeder, der mal einen Reitstall mit Boxenhaltung, und das ist Standard in Deutschland, von innen gesehen hat, weiß, dass die dort geparkten, heiß geliebten Vierbeiner viel schlechter dran sind als ihre wiederkäuenden Säugetierkollegen. Ältere Boxen erreichen nicht mal eine Fläche von drei mal drei Metern. Pferde stehen teilweise 23 Stunden in einem vergitterten Käfig, ohne Licht und Luft, ohne Sozialkontakte, ohne artgerechte Ernährung, ohne ausreichend Weidegang in der Herde, ohne die Möglichkeit, ihren Bewegungsdrang auszuleben, sich zu wälzen, mit Kollegen zu spielen.

Auch, wenn schon ein Umdenken in Gang gekommen ist: Pferde leiden massenweise aus Kosten- und Bequemlichkeitsgründen und aus allzu oft übertriebenem sportlichen Ehrgeiz der Besitzer. Pferde sind Lauftiere! Und sie gehören zu den Säugetieren mit der größten Hitze-Kälte-Toleranz! Sie gehören an die Luft - zu jeder Jahreszeit. Pferde brauchen keine teure Deckenkollektion, kein aufgepopptes Müsli (übrigens oft mit genverändertem Soja) oder gar beheizbare Ställe oder reich verzierte Namensschilder, auf denen dann Sachen stehen wie »Kein Heu!»

Pferde, die sich nach 23 Stunden dösen, koppen oder weben in der Halle erstmal verzweifelt freibuckeln müssen, anstatt sofort die geforderten Figuren abzuspulen und dann als widersetzlich abgestempelt werden, sind viel schlimmer dran als eine modern gehaltene Milch-kuh. Wer einmal ein komplett zugeschneites Pferd unter seinem glänzenden, isolierenden Teddy-Winterfell genüsslich sein Heu hat kauen sehen, weiß, wovon ich rede.

Alexandra Loges,

Kollase

^ Seitenanfang