Online: 15.06.2011

Betreff: Artikel »EHEC-Alarm im Norden» (EJZ vom 21. Mai) Plötzlich, aber keineswegs unerwartet, taucht eine neue Seuche auf: EHEC. »Das Bakterium befindet sich im Kot von Nutztieren», heißt es lapidar.

Keine Panikmache

Nun muss man wissen, dass Bakterien sich ungeschlechtlich durch Zellteilung vermehren und dabei ständig neue Spielarten entstehen, neben vielen relativ harmlosen auch einige, die für Tiere und Menschen höchst gefährlich werden können. Das ist so seit Anbeginn der Schöpfung und insoweit kein Grund für akute Sorgen.

Durch die industrielle Massentierhaltung bekommt dieser Prozess aber eine neue Dimension: Die Megaställe mit hoher Besatzdichte und normierten Bedingungen (Temperatur, Luftfeuchte, Nahrungsangebot) wirken wie gigantische Inkubatoren. Was dort »ausgebrütet» wird, wird anschließend großflächig auf die Äcker verteilt. Der Wind, von immer weniger Hecken gebremst, sorgt für großräumige Verbreitung.

Mit jedem neuen Großstall steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine neue Seuche buchstäblich in Windeseile um den Globus saust. Auch wenn Untersuchungen unabhängiger Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt die akuten Gefahren von Pandemien und Zoonosen in der Massentierhaltung belegen, werden die gekauften Sprachrohre der Fleischkonzerne wieder tönen: Alles nur Panikmache und Schüren unbegründeter Ängste!

Das erinnert fatal an das Verhalten der Atomindustrie: Die Gefahren werden bis zum GAU heruntergespielt oder geleugnet; nach dem GAU ist aber keiner haftbar, und die Allgemeinheit muss die Zeche zahlen.

Und was hat das mit unserem beschaulichen Wendland zu tun? Im Landkreis Lüchow-Dannenberg sind die Genehmigungen für drei Großställe beantragt worden, auch wir werden also unseren Beitrag zum allgemeinen Wahnsinn leisten. Vermutlich werden nicht einmal Filter eingebaut, die die Verbreitung von Keimen deutlich reduzieren können. Das ist technisch möglich und könnte von der Genehmigungsbehörde nach bestehenden Vorschriften verlangt werden.

Wenn eine Ethik dahinter steht, dann diese: Der Wert der privaten Gewinnmaximierung rangiert höher als die allgemeine Gesundheitsvorsorge. Ist das wirklich die Meinung der Mehrheit?

Johann E. P. Strauß,

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