Online: 15.07.2011

Betrifft: Kreis-CDU verurteilt Protest-Besetzung gegen Maststall in Teplingen (EJZ vom 2. Juli) Das Plädoyer mancher Interessen-Vertreter einer ach so christlichen Landwirtschaft geben sich mal wieder selbst Recht: Alles ist erlaubt, was das Gesetz ermöglicht, sagen sie. Wirklich? Natürlich nicht! Der seit 2000 Jahren bewährte und unbestrittene christlich-ethische Grundsatz »Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten» für unser gemeinschaftliches Zusammenleben gilt auch heute noch.

Widerstand gegen Maßlosigkeit erlaubt

Wer sich nur wie ein Pharisäer auf die Einhaltung formalen Rechts berufen kann, baut nicht an einer gerechteren Welt, wie Christen sie anstreben, sofern sie nicht dem Kapital verpflichtet sind. Wir müssen neben die Logik des neoliberalen Wirtschaftens die Logik des Herzens setzen, dass ist die des Gewissens als innere Stimme.

Das ist keine Weichspülung, wenn wir ehrliche Verantwortung meinen. Logique du coeur (Blaise Pascal) fragt auch nach den Folgen für den Nächsten. In der globalisierten Welt sitzt zum Beispiel der Nächste als verhungerndes Kind in Afrika oder als land- und arbeitsloser Kleinbauer in Lateinamerika. An all diesen schlimmen Verhältnissen ist oft die Einhaltung unserer nationalen wie europäischen Gesetze schuld. Wir müssen auf bessere Gesetze hoffen, die die Folgen mitbedenken!

Es sieht aber so aus, als ob wir nur nach Maßgabe des neuen Mammon-Gottes »Wirtschaft» leben sollen. Müssen wir aber nicht! Wir nähern uns nämlich einem übergesetzlichen Notstand, der sich aus dem Neoliberalismus und den daraus resultierenden Zwängen speist. Solange dies auf politischer Ebene unhinterfragt für alternativlos gehalten wird, ist dagegen gewaltloser Widerstand erlaubt, ja geboten.

Was hat das mit den Großmastställen bei uns zu tun? Sehr, sehr viel. Die Großmastställe sind Ausdruck der Investoren-Gier, der mindestens zwei verheerende Gesetze innewohnen: Mit der hiesigen Überproduktion wird andernorts Hunger und Leid verbreitet, und im Landkreis (vor Ort) wird der Grundkonsens des einvernehmlichen Gemeindelebens zerstört. Die soziale Verpflichtung des Eigentums gegenüber einer ablehnenden Mehrheit wird neoliberal völlig geleugnet.

Deshalb können wir nicht einfach die Augen vor diesen Tatsachen verschließen. Durch den EU-subventionierten Export von Hühnerresten in alle Welt wird zum Beispiel bewirkt, dass sich für die Kleinbauern in Afrika und anderswo ihre eigene, naturnahe Hühneraufzucht nicht mehr lohnt und sie nicht länger die Ernährer ihrer Familien sein können. Dürfen wir denn wirklich widerstandslos zusehen, wie per Eigentumsgesetz mehr und mehr die allen Menschen zustehenden Freiheits- und Genussrechte an Umwelt und Natur durch die Maßlosigkeit von Investoren genommen werden?

Michael Wiesemann,

Hitzacker

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