Online: 26.07.2011

Betrifft: Artikel »Wütend auf den ,Aufhetzer»» (EJZ vom 23. Juli) Nachdem die EJZ die für mich ehrenrührige Bezeichnung »Aufhetzer» durch einige Demonstranten sogar in die Überschrift des Artikels aufgenommen hat, hätte der Berichterstatter wohl fairerweise auch meine Ausführungen zumindest ansatzweise darstellen müssen. Bei der Kundgebung habe ich Tierhalter mitnichten diffamiert, sondern abermals zu einem fairen Umgang zwischen Kritikern und Befürwortern aufgerufen, und zwar ausschließlich in legalem Rahmen! Soll Folgendes denn wirklich die Zukunft unserer Landwirte in 20 Jahren sein: Landwirte nur noch als abhängige Vertrags- oder Lohnmäster von Konzernen - nicht nur in der Geflügelmast, sondern zunehmend auch in der Schweinehaltung, zudem mit drohender Abhängigkeit der Milchbauern von Molkerei-Quoten.

Das Gegenteil von »Aufhetzerei»

Mit Mastställen, die man Schulkindern nicht mehr zeigen mag und die von den Dorfbewohnern und Regionen als Störfaktor oder Bedrohung empfunden werden. Mit absolut ruinösen Erzeugerpreisen schon jetzt, vor allem wegen der von den Schlachtkonzernen in deren Umsatz-Interesse angeheizten Überschüssen für den sogenannten Weltmarkt, auf dem die öko-soziale Dumpingproduktion Brasiliens und der USA die Niedrigpreise diktieren. Dies auch angesichts der Tatsache, dass der bei Weitem größte Fleischabnehmer Russland derzeit mit Hilfe dänischer, holländischer und deutscher Konzerne seine Selbstversorgung anstrebt.

Ich habe darauf hingewiesen, dass unter dem gesellschaftlichen Druck der Bürger schon jetzt die niedersächsische, deutsche und EU-Agrarpolitik eine deutliche Richtung auf eine artgerechte Tierhaltung in bäuerlichen Strukturen mit eigener Futtergrundlage (ohne Import-Gensoja) nimmt und dass der Bauernverband angesichts dieser unübersehbaren Chancen seine schädliche Liaison mit der Agrarindustrie lösen sollte - zugunsten einer klareren Interessenvertretung von Landwirten, zumal mit einem EU-weiten Verbot der Agrarfabriken (oberhalb 1500 Mastplätzen, 600 Rindern, 20000 Hühnern) und mit artgerechterer Haltung ein Überschussabbau und eine Mengenreduzierung verbunden ist - und damit der Rahmen für höhere Erzeugerpreise.

Dies ist alles andere als »Aufhetzen»! Ich halte es dagegen für schlimmste »Aufhetzerei», wenn Landvolk-Chef Hilse mich in einer juristisch angreifbaren Pressemitteilung dezidiert auf eine Stufe mit Stall-Brandstiftern stellt und wenn in »Land & Forst» die Bürgerinitiativen als »biedermännische» Wegbereiter der Brandstifter diffamiert werden. Kein Zufall, dass nun in seiner Nachbarschaft in Lüchow ein anonym-feiges Flugblatt mich als Anstifter weiterer Brandstiftungen verunglimpft, so dass ich bereits vor Übergriffen auf mich und meine Familie gewarnt werde. Erfreulich, dass in der anschließenden Diskussion von einem Landvolk-Bezirksvorsitzenden mit mir eine weitere sachliche Diskussion bei einer landvolk-internen Veranstaltung im September vereinbart wurde. Dies ist der Weg und nicht üble Aufhetzerei.

Eckehard Niemann,

Bienenbüttel

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