Online: 27.07.2011

Betrifft: Artikel »Wütend auf den Aufhetzer» (EJZ vom 23. Juli) Am 2. November 2008 hat der Dannenberger Stadtrat in einer Stellungnahme erklärt, dass er industrielle Tiermast im Bereich der Stadt Dannenberg ablehnt.

Landwirte sollten ihre Interessenvertreter anprangern

Vorausgegangen waren eine lebhafte Diskussion zum Thema und die Möglichkeit, sich mit den Argumenten der Gegner und der Befürworter auseinanderzusetzen. Schon damals fiel auf, dass die Befürworter industrieller Tiermast fast ausschließlich mit der Vorstellung hantierten, mit dem Einzug der Massentierhaltung in den Landkreis käme finanzieller Segen über die Landwirte. Der Weg in diese Produktionsform sei der richtige Weg in die Zukunft, die man sich von verbohrten Spinnern nicht verbauen ließe.

Beklagt wurde von dieser Seite der Niedergang der Landwirtschaft (Höfesterben), der Preisverfall und der Wunsch der Leute nach billigem Fleisch. Folgerichtig müsse man nun auf diese neue Einkommensmöglichkeit umstellen. Schon damals war sichtbar, dass der materielle Höhenflug von Vertragsmästern auf dem Weltmarkt schneller als befürchtet gestoppt werden würde, wegen der schon vorhandenen Überkapazität und der Unsicherheit der Weltmärkte. Schon damals haben wir Gegner/innen der Massentierhaltung nicht begriffen, warum die langfristigen Folgen für die Landwirte (zum Beispiel eigene hohe Verschuldung, Abhängigkeit von Global Playern) offensichtlich so verlockend waren und sind.

Das führt in direkter Linie zu den Interessenvertretern der Bauern. Die spielen, wie zum Beispiel Herr Hilse, in der obersten Liga der großen sogenannten Veredelungsbetriebe mit und brauchen - noch - für ihre weltweiten Großprojekte brave Lieferanten.

Ehe man Menschen, wie zum Beispiel den AbL-Vertreter Eckehard Niemann, der Hetze bezichtigt, weil er kompetent und schlagfertig die Sache der bäuerlichen Landwirtschaft vertritt, sollten die Landwirte prüfen, ob nicht die eigenen Verbandspräsidenten ausgetauscht gehören. Die haben doch selber über Jahre ihre Berufskollegen in die Abhängigkeit getrieben oder diese Entwicklung zumindest zugelassen. Das müssen die Landwirte anprangern.

Wir Verbraucherinnen und Verbraucher haben übrigens kein Interesse an Billigfleisch. Wir kaufen gern gutes, artgerecht erzeugtes Fleisch. Selbstverständlich muss es für alle bezahlbar sein! Aber sehen Sie sich den Strommarkt an. Bei vielfältigem Angebot können die kleineren Anbieter durchaus mithalten. Niemand muss mehr Atomstrom beziehen, weil der alternativ erzeugte zu teuer ist. Zusätzlich machen Sie sich ja auch Gedanken, wie Sie vernünftigerweise Energie einsparen können.

So wird es auch mit der Fleischproduktion gehen. Hätten Sie auf jeder Fleischpackung eine Kennzeichnung der Produktionsform wie beim Hühnerei, die inzwischen selbstverständlich ist, kämen Sie auch nicht mehr auf die Idee, ein Hühnerbein aus Qualzucht lecker zu finden. Und weniger Fleisch zu essen, ist für die Gesundheit allemal Gold wert.

Elke Mundhenk,

Dannenberg

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