Online: 09.08.2011

Zum Leserbrief »Wenn der Dialog nicht mehr möglich ist» von Anne Hartmann, Rettmer (EJZ vom 30. Juli) Es ist schön, dass Frau Hartmann sich einen Dialog zum Thema Massentierhaltung wünscht, denn der ist, glaube ich, dringend nötig. Vorerst ist zu sagen, dass es ein Fehler wäre, Brandstifter und Kritiker in einen Topf zu werfen.

Keine Vielfalt in der Hühnermast

Wir wollen ja hier nicht polemisch werden.

Es ist schön, wenn Menschen einem Beruf nachgehen, in dem sie gut ausgebildet sind und der ihnen Spaß macht. Aber ich denke, Frau Hartmann stimmt mit mir überein, wenn ich sage, dass jeder Mensch in dieser Welt für mehr als nur für sich selbst Verantwortung trägt. Ein Banker ist meist auch sehr gut ausgebildet und hochmotiviert, und trotzdem sollte er sich Gedanken über die Folgen seiner Taten machen.

Frau Hartmann sollte sich doch mal in die Lage eines afrikanischen Hühnerbauern versetzen, der sein Fleisch nicht mehr verkaufen kann, weil sein Markt mit billigem Hühnerfleisch (Keulen und Flügeln) aus Europa und den USA überschwemmt wird. Was meint Frau Hartmann, wie der sich fühlt und was das für Folgen hat? Seine Existenzgrundlage wird ihm genommen. Das alles passiert mit den Steuergeldern unserer arbeitenden Bevölkerung. Fleisch, das exportiert wird, wird subventioniert.

Es gibt kaum etwas Schöneres, als qualitativ hochwertige Lebensmittel zu produzieren, aber ich muss sagen, Fleisch, das aus der Massentierhaltung kommt, ist weit entfernt von hoher Qualität. Ja, es kann sich nicht jeder leisten, Bioprodukte zu kaufen; dieses Argument höre ich immer wieder, aber es zählt für mich nicht, wenn ich die Porsche Cayennes auf dem Aldi-Parkplatz stehen sehe. Vielleicht kann man ja auch Kompromisse eingehen und etwas weniger Fleisch essen (was sowieso gesünder ist) und dafür dann etwas mehr Geld ausgeben.

Frau Hartmann schreibt, »der Weg der Landwirtschaft» sollte »Vielfalt der Landwirtschaft und deren Produkte sein». Also, da stimme ich mit ihr wirklich überein. Diversität ist das, was wir hier auf unserem Planeten wirklich erhalten sollten, denn sonst wird unser Leben recht trostlos in der Zukunft sein. In der Hühnermast gibt es nur noch zwei Zuchtreihen, da diese im Futter/Fleischverhältnis am effektivsten sind. Das hört sich für mich nicht nach Vielfalt an.

Leider ist dies eine Situation, in der wir keinen Berater anrufen können, der uns sagen kann, was wir jetzt am besten tun sollen; wir müssen uns selbst Gedanken machen. Das ist gewiss nicht leicht, aber das ist eine wirkliche Herausforderung für motivierte und gut ausgebildete Jungbauern und -bäuerinnen.

Britta Flegel, Kröte,

Biobäuerin

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