Online: 17.09.2011

Betrifft: Minister Lindemann und der Tierschutz »Unter einigermaßen artgerechten Bedingungen» sollen Tiere nach den Worten von Landwirtschaftsminister Lindemann gehalten werden. An diese einigermaßen windelweiche Formulierung haben sich hoffentlich viele Leute erinnert, die in der ARD die Reportage »Das System Wiesenhof» gesehen haben. Das Schlimmste an den gezeigten grausamen Bildern ist: Sie decken sich mit zahlreichen anderen Berichten der vergangenen Jahre.

»Windelweiche Formulierung»

Was sich bei Wiesenhof abspielt, ist auch in anderen Megaställen zu beobachten; die Tierquälerei ist systemimmanent.

Da ist es einigermaßen erschütternd, wenn ein Minister von ethischen Grundsätzen faselt und sich sieben Jahre Zeit lässt, um EU-Recht durchzusetzen mit dem Ziel, wenigstens die ärgsten Missstände in der Tierhaltung zu unterbinden.

Vielleicht ist er aber auch nur einigermaßen bequem, denn in sieben Jahren wird der Minister wohl kaum noch im Amt sein. Der Mann ist andererseits aber auch kaum zu beneiden, denn sein Ministerium soll den unmöglichen Spagat zwischen Landwirtschaft, Verbraucherschutz, Tierschutz und Landesentwicklung leisten. Da gibt es zwangsläufig Interessenkonflikte.

Was dabei schließlich herauskommt, ist dann auch einigermaßen besch..., wie etwa folgende Beispiele belegen. Bei der Fleischkontrolle in der Geflügelschlachterei Wiesenhof sind 0,8 Sekunden pro Tier vorgesehen; für die vorgeschriebene tägliche Gesundheitsinspektion in den Ställen steht gar nur eine siebtel Sekunde zur Verfügung.

Die lokalen Verwaltungsbehörden (Gewerbeaufsicht, Bauamt, Gesundheitsamt) schauen bei diesem Treiben geflissentlich zur Seite und machen sich so zu Erfüllungsgehilfen eines perversen Systems. Einigermaßen skandalös - oder?

Irene und Johann

E. P. Strauß, Leisten

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