Online: 27.12.2011

Betrifft: Artikel »Ziel von Aggressionen aller Art» (EJZ vom 21. Dezember) Wer auch immer die Hähnchenmastanlage Schnega-Bahnhof angezündet hat, das ist Gewalt und grundsätzlich abzulehnen. Die Betreiber nutzen diesen Anschlag aber dazu, Menschen, die sich gegen Massentierhaltung wehren, pauschal zu verunglimpfen mit wenig differenzierten Aussagen.

Verantwortung wird nicht gesehen

Diese würden »pöbeln», »lügen», »bedrohen», »hetzen», »verleumden», Angst schüren und seien als Leserbriefschreiber die eigentlichen »Brandstifter».

Dabei, wo ist eigentlich der Beweis, dass es Gegner der Massentierhaltung gewesen sind, die den Stall angezündet haben? Es gibt andere Möglichkeiten.

Diese wenig differenzierten Aussagen zeigen auch, wie wenig die Betreiber sich ihrer eigenen Gewalt bewusst sind, die sie mit ihrer angestrebten Tierhaltung ausüben würden. Es ist Gewalt gegen Mensch, Tier, Lebensgrundlagen. Die Hähnchen haben unter anderem ein Leben lang sozialen Stress aufgrund der widernatürlich hohen Anzahl von Einzeltieren auf engstem Raum, auf ihrem Kot lebend, ohne ausreichende Bewegungsmöglichkeiten. Und natürlich erreichen Bioaerosole aus dem Abluftkamin (Keime, Bakterien) die umliegenden Wohnhäuser, und eine Gesundheitsgefährdung von Menschen, besonders für Asthmatiker, wäre nicht ausgeschlossen.

Der Einsatz von Antibiotika ist in der Massentierhaltung nicht zu vermeiden. Nach amtlichen Aussagen sterben - jedes Jahr - bundesweit 15000 Menschen an resistenten Keimen, von denen zehn Prozent aus der Landwirtschaft kommen, in Niedersachsen sind es sogar 22%. Die für mich zynische Aussage von Betreiberseite zur Problematik des Einsatzes von Antibiotika: Gegner der Massentierhaltung würden Angst schüren!

Die Betreiber in Schnega würden mit dazu beitragen, dass der Nitratgehalt des Grundwassers (Trinkwasser) und damit die Gesundheitsgefährdung von Menschen zunimmt. Und auf globaler Ebene wären sie ein Teil der Gewalt, mit der die Existenz von Bauern in Afrika durch die Einfuhr von billigem Hähnchenfleisch bedroht wird oder mit der die Landbevölkerung in Südamerika von ihrem Land vertrieben wird, damit Futtermittel angebaut werden können. Und schon jetzt, täglich, wirkt die Anlage auf das Lebensgefühl jener Menschen, für die das Gebäude Ausdruck ist für Rücksichtslosigkeit gegenüber Mensch, Tier, Natur.

Ich werde ihnen auch als Leserbriefschreiber - in ihren Augen als einer der eigentlichen »Brandstifter» - erhalten bleiben und mich weiterhin gegen die Kräfte einsetzen, für die Profit mehr zählt als die Gesundheit von Menschen, Tierwohl oder Bewahrung gesunder Lebensgrundlagen.

Hermann Klepper, Banzau

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