Online: 27.12.2011

Betrifft: Artikel »Ziel von Aggressionen aller Art» (EJZ vom 21. Dezember) Um es gleich vorwegzunehmen: Irgendwelche Gebäude anzuzünden - und seien es Rohbauten von Hähnchenmastställen - als politische Demonstration, halte ich für völlig verfehlt und lehne so etwas deshalb ab. Das ist keine Ebene, auf der solche Auseinandersetzungen geführt werden sollten.

Der Markt wird in sich zusammenbrechen

Wenn aber die Betreiber der Mastanlage in Schnega, die Herren Bethke und Heers, in dem Artikel dazu in der EJZ vom 21. Dezember die simple Gleichstellung aufstellen, dass alle, die gegen industrielle Tierhaltung sind, die wahren Brandstifter sind, dann grenzt das an Verleumdung. Ansonsten ist die Argumentationslinie der Betreiber eher schlicht. Sie ignorieren dabei penetrant die jüngsten Zahlen aus Nordrhein-Westfalen, die besagen, dass weit über 90 Prozent der konventionellen Hähnchenmastbetriebe in den kurzen Mastperioden mehrere Male Antibiotika anwenden, sei es als Prophylaxe, weil der Infektionsdruck bei dieser abartigen Tierhaltung zu groß ist, sei es als Mast-Doping, was seit 2006 illegal wäre.

Tatsache ist, da weisen viele Mediziner darauf hin, dass die Zahl der Infektionen mit multiresistenten Keimen (ORSA, MRSA) in den vergangenen Jahren rasant angestiegen ist und sich damit die Therapiemöglichkeiten immer mehr einschränken. Das heißt, dass jeder, der Geflügelfleisch aus konventioneller Produktion zu sich nimmt, gleichzeitig eine gesundheit- liche Hypothek auf seine individuelle Zukunft aufnimmt. Dieses Fleisch macht also nicht akut krank, sondern verhindert, dass bei problematischen Infektionen mit den Mitteln der modernen Medizin geholfen werden kann.

Die Herren Bethke und Heers haben Recht, wenn sie darauf hinweisen, dass schließlich der Verbraucher bestimmt, ob ihre Art der Fleischproduktion ökonomisch erfolgreich ist. Es gehört nicht sehr viel Prophetie dazu vorauszusagen, dass, wenn sich beim Normalverbraucher rumgesprochen hat, welche Probleme er sich mit dem Verzehr dieses Fleisches einhandelt, der Verbrauch stark zurückgehen wird. Bei gleichzeitiger Expansion von Produktionskapazitäten für Geflügelfleisch, wie er zurzeit zu beobachten ist, wird der Markt in sich zusammenbrechen. Ich wünsche den Herren Bethke und Heers, dass sie ihre Investitionen dann schon abgeschrieben haben - sonst droht Insolvenz!

Wolfgang Eisenberg, Bösen

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