Online: 06.02.2012

Betrifft: Diskussion über Hähnchenmast In seiner Neujahrsbotschaft (EJZ vom 11. Januar) hat Landvolkpräsident Hilse den Export von deutschem Hähnchenfleisch in Entwicklungsländer damit zu rechtfertigen versucht, dass wir ja umgekehrt auch landwirtschaftliche Produkte wie Apfelsinen und Bananen importieren. Diese törichte Argumentation geht so sehr am Kern des Problems vorbei, dass ein Kommentar eigentlich überflüssig ist.

Von Bananen und Hähnchen

Nun hat aber auch noch Hennings Harms, Bezirksvorsitzender des Bauernverbandes in Dannenberg, Hilses Aussage fast wörtlich übernommen und Kritikern (Umweltverbänden und Tiermastgegnern) unterstellt, sie würden deutsche Agrarexporte grundsätzlich ablehnen (EJZ vom 19. Januar).

In Wahrheit ist kein vernünftiger Mensch gegen einen freien Warenaustausch, es sei denn, er geht zu Lasten von ohnedies benachteiligten Menschen oder zu Lasten der Umwelt. Diese beiden Einschränkungen werden von Hilse und Harms einfach weggelassen, obwohl sie auf den deutschen Hähnchenexport voll anwendbar sind:

1. Das Kraftfutter für die Tiermast wird überwiegend in tropischen Ländern zulasten des Regenwaldes produziert und wird energieaufwendig und klimabelastend über weite Strecken transportiert. 2. Der Fleischexport wird mit Steuermitteln subventioniert, erfordert klimaschädigende Kühltransporte und ruiniert zahlreiche Kleinbetriebe in den Entwicklungsländern. Hierzu liegen mir eindeutige Äußerungen des Ministeriums für Entwicklungshilfe vor.

Das alles ist keineswegs neu, wird aber von den genannten bäuerlichen Standesvertretern beharrlich totgeschwiegen. Da mutet es denn schon seltsam an, wenn Kreislandwirt Tebel beklagt, »mit Gegnern» (der industriellen Tiermast) »sei kaum noch ins Gespräch zu kommen». Ich selbst habe ihm sogar schriftlich angeboten, sämtliche Pro- und Contra-Argumente öffentlich und für jedermann nachvollziehbar zu diskutieren. Das war im Juni 2011, die Antwort steht immer noch aus.

Johann E. P. Strauß,

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