Online: 17.02.2012

Betrifft: Artikel »Lauter Allgemeinplätze» (EJZ vom 23. Januar) Zum Neujahrsempfang in Schnega forderte Bürgermeister von Gottberg in Bezug zum Brand in der Hähnchenmastanlage Schnega-Bahnhof dazu auf, man müsse wieder zurückkommen zur Verurteilung von Gewalt. Er hat Recht! Allerdings sollte man Gewalt auf allen Seiten verurteilen und auch ahnden.

Die Laster eines niederen und unedlen Volkes

Eingeschlagene Windschutzscheiben und Scheinwerfer, zerbeulte Motorhauben, Schrauben in Autoreifen sowie der Diebstahl von teuren Transparenten und Plakaten aus den Vorgärten von Mastanlagen-Gegnern sind Straftaten und genauso zu verurteilen und zu ahnden! Gewalt ist selbstverständlich auch, wenn Menschen dazu gezwungen werden in der Nähe von solchen Keimschleudern zu wohnen und eventuell dadurch zu erkranken oder wenn sich ihre bereits bestehenden Erkrankungen dadurch verschlimmern. Gewalt ist ebenfalls die Unterschlagung von Unterschriftenlisten, die die Bürgerinitiativen gegen den Bau solcher Anlagen gesammelt und eingereicht haben. Der Ort Teplingen wird 2011 zum Inbegriff von Gewalt. Dort wurden Besetzer des Bauplatzes der dort geplanten Hähnchenmastanlage von einem wütenden Pulk mit Kraftfahrzeugen angegriffen und vom Platz gedrängt. Ist es nicht Gewalt, wenn man Tiere der Natur entzieht und sie nur durch den Einsatz von Medikamenten am Leben hält oder dadurch in kürzester Zeit auf das nötige Schlachtgewicht bringt? Ihnen die Schnabelspitzen abschneidet oder gar die Kämme und Krallen? Diese armen Kreaturen auf engstem Raum in den Mastanlagen hält, so dass sie in der Endmast nicht mal mehr den Platz für einen Flügelschlag haben und sich unter Dauerstress gegenseitig zerhacken und sie sich während der gesamten Mastdauer in ihren eigenen ätzenden und stinkenden Exkrementen bewegen müssen? Und was ist mit der Gewalt, die man den Dorfbewohnern entgegenbringt, die pervertierte Tierhaltung ablehnen und sich friedlich und demonstrativ dagegen wehren? Man verachtet sie in den oft so devoten Dorfgemeinschaften, weil man Angst vor der brutalen Wahrheit hat. Uralte Strukturen beherrschen das Handeln und Denken in den Dörfern, wo jeder jeden kennt und niemand anecken will. In jedem vernünftigen Elternhaus lernt man in frühen Jahren, dass man kein Tier quälen darf. Wo sind die Menschen aufgewachsen, die jedes Gefühl dafür verloren haben und Ethik und Moral für Schwäche halten und für die Gewalt zum Alltag gehört? Soziales und friedliches Leben in den Gemeinden ist nur mit zukunftsorientiertem Denken und gerechtem Miteinander möglich. Zum Abschluss die wahren Worte eines klugen Mannes: Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes. (Alexander von Humboldt, 1769-1859). Norbert Rehner, Groß Malchau

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