Online: 17.02.2012

Betrifft: industrielle Tierhaltung Brutale Gewalt in aller Welt - die Medien sind voll davon. Doch Gewalt wird nicht nur mit Fäusten, Feuer und Waffen ausgetragen. Daneben gibt es eine subtilere, versteckte Form, die im ehrbaren Gewande freiem Unternehmertums daherkommt und sich mit der Gloriole scheinbarer Gesetzestreue zu schmücken weiß.

Gewalt in schlimmer Form

Häufig wird sie erst dann namentlich erkannt, wenn ihre Begleiter, Revolte und Ausschreitungen auf der Bildfläche erscheinen.

Der informierte Wendländer wird hier gleich an die Atomwirtschaft denken. In die gleiche Kategorie gehört aber auch industrielle Tierhaltung, die sich im Landkreis breit machen will. Beiden gemeinsam ist, dass jeweils eine vergleichsweise kleine Gruppe große Gewinne anstrebt, sich aber nicht im Min-desten darum kümmert, welche Risiken sie der übrigen Gesellschaft und den nachfolgenden Generationen aufhalst. Im Falle der Atomwirtschaft hat die Bevölkerung inzwischen wenigstens eine vage Vorstellung vom Ausmaß der Gefahren. Ganz anders im Falle der indus-triellen Tierhaltung: Wer hat denn schon zur Kenntnis genommen, dass im EG-Raum jährlich geschätzte 25000 (!) Menschen an multiresistenten Keimen sterben, die durch den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast entstanden sind? Das sind schon Größenordnungen, die mit Tschernobyl vergleichbar sind. Aber noch weit größer schätzen Virologen die Gefahr ein, die von neuen Virenstämmen ausgeht. Die Großställe wirken wie riesige Inkubatoren, und die Wahrscheinlichkeit, dass eine der zahlreichen Mutationen eine Pandemie auslöst, wächst mit jedem neuen Stall. Die Bedrohung von Gesundheit und Leben ist real, also Gewalt in schlimmer Form!

Wer gegen diese Gewalt ankämpfen will, ohne sich selbst in die eskalierende Spirale von Gewalt und Gegengewalt hineinziehen zu lassen, dem bleiben nur zwei Möglichkeiten: Sofort wirksam ist der Boykott, also kein Fleisch aus industrieller Tierhaltung kaufen. Langfristig müssen die einschlägigen Gesetze und Bestimmungen reformiert werden. Jeder kann sich an Ministerien, Abgeordnete und Parteien wenden und auch bei Wahlen seinen Einfluss geltend machen. Zugegeben: Der Weg zum Erfolg ist mühsam und langwierig. Aber besser eine Kerze anzünden, als über die Finsternis zu klagen.

Johann E.P. Strauß, Leisten

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